US-Notenbank treibt Goldpreis in die Höhe

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US-Notenbankchef Ben Bernanke will den Markt neuerlich mit Geld fluten, um die US-Konjunktur anzukurbeln. Die antizipierte Dollar-Abwertung lässt den Goldpreis in die Höhe schnellen.

New york/Es/Ag. Der Goldpreis hat zu Wochenbeginn kräftig zugelegt. Die Feinunze des Edelmetalls wurde am Dienstag um 1694 Dollar (1275 Euro) gehandelt, um 40 Dollar mehr als am Montag. US-Notenbank-Chef Ben Bernanke ist daran nicht ganz unbeteiligt. Er drängte am Montag auf neuerliche konjunkturfördernde Maßnahmen, um die hohe Arbeitslosigkeit in den USA zu bekämpfen. Diese liegt derzeit bei 9,1 Prozent. Bernanke betonte, dass die Produktion wie auch die Nachfrage von Verbrauchern und Unternehmen stärker zulegen müsse. Dieser Prozess könne weiter von einer förderlichen Politik der Federal Reserve unterstützt werden. Viele Anleger spekulieren nun darauf, dass die US-Notenbank ein weiteres Anleihenkaufprogramm starten könnte. Wenn die Notenbank Staatsanleihen aufkauft, bedeutet das, dass sie die Notenpresse anwirft und den Markt neuerlich mit billigem Geld flutet. Das hätte eine Abwertung des US-Dollars zur Folge. Der Goldpreis reagiert auf Bernankes Ankündigung, indem er nach oben klettert.

In Indien streiken die Goldhändler

Zu den Plänen der US-Notenbank gesellen sich Turbulenzen in Indien, dem weltgrößten Goldmarkt. Seit einer Woche streiken dort die Gold- und Juwelenhändler. Sie protestieren gegen eine weitere Anhebung der Gold-Einfuhrzölle von zwei auf vier Prozent. Wegen der steigenden Goldpreise halten sich die sonst kauffreudigen Inder sehr zurück: Wurden zu Beginn 2011 noch 300 Tonnen Gold verkauft, waren es im ersten Quartal dieses Jahres „nur mehr“ 150 Tonnen. Die Inder besitzen 18.000 Tonnen Gold im Wert von 600 Mrd. Euro. Das sind rund elf Prozent der weltweiten Goldmenge.

Dass sich die sinkende Nachfrage in Indien, sollte sie länger andauern, tatsächlich auf den globalen Goldmarkt auswirkt, ist aber unwahrscheinlich. Zwar sagen die Rohstoffanalysten der Commerzbank, dass „dem Goldpreis eine wichtige Stütze fehlen wird“, wenn die Goldeinfuhr nach Indien weiterhin niedrig bleibt.

Aufwärtstrend hat Grenzen

Dagegen spricht jedoch, dass der physische Goldmarkt im Verhältnis zum Papiergoldmarkt wenig Einfluss auf die globale Preisbildung hat. „Vermutlich wird der Markt in den kommenden Tagen das Aufwärtspotenzial beim Goldpreis austesten“, sagt der Rohstoffstratege Nick Trevethan von der ANZ Singapur. Das Limit für die Preissteigerung sieht er bereits bei 1720 Dollar (1295 Euro).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2012)

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