Das frische Geld hat das Risiko einer Bankenpleite vermindert, ist aber nicht in der Wirtschaft angekommen. Der EZB ist das aber gar nicht so unrecht.
Der üppige Geldregen der Europäischen Zentralbank (EZB) kommt nach wie vor nicht in der Wirtschaft an. Wie aus am Mittwoch veröffentlichten EZB-Daten hervorgeht, ging die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen im Februar im Vergleich zu Jänner unter dem Strich um drei Milliarden Euro zurück. Zu Jahresbeginn hatte die Kreditvergabe direkt nach einer ersten Geldspritze der Notenbank mit einem Volumen von einer halben Billion Euro noch um ein Prozent angezogen.
In den jetzt veröffentlichten Daten ist allerdings das zweite Angebot von Ende Februar, bei dem Europas Institute erneut gut eine halbe Billion Euro bei der Notenbank abriefen, noch nicht enthalten. Die Geldmenge insgesamt erhöhte sich durch die EZB-Aktion allerdings erwartungsgemäß.
"Kreditvergabe nicht stimuliert"
Nach Einschätzung von Christian Schulz von der Berenberg Bank ist nun klar, dass das frische Geld der Notenbank zwar das Risiko einer Bankpleite in der Währungsunion vermindert hat. "Aber eines hat das langlaufende Refinanzierungsgeschäft nicht getan: Es hat bis dato die Kreditvergabe nicht stimuliert." Dass die parallel von der EZB veröffentlichte Geldmenge M3 im Jahresvergleich um 2,8 Prozent gestiegen sei, zeige lediglich, dass das Geld "irgendwo umläuft". Carsten Brzeski, Ökonom bei der ING-Bank, äußerte sich ähnlich: "Dass wir in den kommenden Monaten wohl eine bessere Versorgung der Wirtschaft mit neuen Krediten sehen werden, ist bisher nur Wunschdenken." Eine Kreditklemme sei nach wie vor "nicht verhindert".
EZB-Fachmann Michael Schubert von der Commerzbank glaubt allerdings, dass die Notenbank mit der langsamen Wirkung ihrer Geldspritzen alles in allem gut leben kann: "Die EZB dürfte nicht allzu enttäuscht sein über die jüngste Entwicklung der monetären Daten, da sie damit gerechnet hatte, dass die Dynamik verhalten bleibt." Einerseits sei die Nachfrage nach Krediten wegen der Wirtschaftsschwäche in vielen Ländern nach wie vor gedämpft, zum anderen brauche es einfach Zeit, bis das Geld der Zentralbank durch das ganze Finanzsystem bis zur Realwirtschaft sickere, vor allem weil die Banken wegen schärferer Regeln für die Eigenkapitalhinterlegung von Krediten ihre Anforderungen an Kreditnehmer verschärft hätten. Allerdings gebe es in Italien und Frankreich bereits erste Anzeichen für eine Besserung.
Droht hohe Inflation?
Erst vorige Woche hatte der ehemalige EZB-Chefökonom Jürgen Stark vor Inflation gewarnt, wie "DiePresse.com" berichtete. Die jüngste Geldflut der Notenbanken habe die Lage keineswegs verbessert: "Historisch wissen wir, dass jede besonders starke Expansion der Zentralbankbilanz mittelfristig zu Inflation führt."
Er steht damit im Widerspruch zu EZB-Chef Mario Draghi. Seiner Ansicht nach ist "das Schlimmste vorüber". "Die Lage stabilisiert sich. Die wichtigen Kennzahlen der Eurozone, wie Inflation, Leistungsbilanz und vor allem Haushaltsdefizite, sind besser als zum Beispiel in den USA", sagte er.
(Ag.)