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Bulgarien stoppt Atomkraftwerk Belene

(c) EPA (VASSIL DONEV)
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Das in Bau befindliche AKW Belene wird nicht fertig gestellt, beschloss die Regierung. Das Projekt sei zu teuer, einen westlichen Investor suchte man vergeblich.

Wien/Belene. Petar Dulew ist verärgert über den Beschluss, der „gegen die Interessen Bulgariens“ sei, wie er sagt. Doch der Bürgermeister des Donaustädtchens Belene hat in der Sache nichts mitzureden. Die Fakten musste Dulew selbst aus den Medien erfahren. Die bulgarische Regierung hat sich am Mittwoch gegen den Bau des Atomkraftwerks Belene entschieden: aus Kostengründen, wie es heißt. Anstelle des AKW soll ein Gaskraftwerk gebaut werden, sagte Vizefinanzminister Wladislaw Goranow. Der bei der russischen Firma Atomstroiexport angekaufte 1000-Megawatt-Reaktor für Belene soll nun im AKW Kosloduj, 160 Kilometer stromaufwärts, betrieben werden.

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Es ist das Ende eines langen Weges, auf dem viele Haken geschlagen wurden. Vermutlich hat niemand um das Projekt so gezittert wie die 9000 Einwohner von Belene, mehrheitlich Befürworter des Kraftwerks, das die Jugend im Ort halten und Arbeitsplätze sichern sollte. Belene, berüchtigt für sein Straflager aus sozialistischer Zeit, wähnte sich als neues „Energiezentrum des Balkans“, wie Dulew sagt. 1981 wurde mit dem Bau des AKWs begonnen, 1990 die Bauarbeiten wegen Geldmangels unterbrochen. Zu Beginn der Nullerjahre holte man die Pläne wieder aus der Schublade. Nachdem Bulgarien für seinen EU-Beitritt im Jahr 2007 vier Blöcke des AKW Kosloduj abschalten musste, sollte Belene zum künftigen Garanten für Energiesicherheit werden.

Doch die Rentabilität des Projekts war stets umstritten. 2009 sprang noch dazu der deutsche Energiekonzern RWE ab; ein neuer westlicher Investor wollte sich nicht finden. Mit Atomstroiexport wurde man sich über den Endpreis des AKWs nicht einig. Die Russen sprachen von 6,3 Mrd. Euro, die Bulgaren beharrten auf fünf Mrd. Euro. Als Premier Bojko Borissow 2009 sein Amt antrat, versprach er, das Projekt evaluieren zu lassen. Wie Bulgarien seine Abhängigkeit von russischer Energie verringern könnte, ist freilich ungelöst.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2012)