Die Auffanggesellschaft für die 11.000 Mitarbeiter schien schon gescheitert. Baden-Württemberg will einen letzten Rettungsversuch starten. Scheitert auch dieser, werden die Mitarbeiter sofort arbeitslos.
Berlin/Gau Die Verhandlungen über eine Bürgschaft der deutschen Bundesländer für eine Auffanggesellschaft für Schlecker schienen gestern Abend schon gescheitert. Doch die Politiker in Baden-Württemberg, dem Stammland der insolventen Drogeriekette, wollen sich das Prestige einer Übergangshilfe für die 11.000 Mitarbeiter der seit Samstag geschlossenen Filialen offenbar auf keinen Fall entgehen lassen. In einer „Nachtschicht“ sollten die anderen Länder doch noch überzeugt werden.
Sonst werden am Donnerstag die Kündigungen ausgesprochen. Damit hätte auch der Insolvenzverwalter keine Freude: Er muss Abfertigungen auszahlen; zudem rechnet er mit Kündigungsklagen, die potenzielle Investoren abschrecken könnten. Eine Transfergesellschaft würde hingegen den Mitarbeitern auf ein halbes Jahr lang 80 Prozent des Letztgehaltes auszahlen.
Die Regierung in Berlin hatte solche Staatshilfen ausgeschlossen. Es sei „verrückt“, sagte FDP-Vizefraktionschef Martin Lindner, ein Geschäftsmodell auffangen zu wollen, „das oft kritisiert worden ist, unter anderem wegen der miserablen Bezahlung“. Der Wettbewerb bringe es mit sich, dass Firmen scheitern können und erfolgreichere Mitbewerber ihre Marktanteile übernehmen.
Zweifel an Kreditsicherheit
Doch einige Bundesländer wollten bürgen, für einen Kredit der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Mit 70 Mio. Euro könnten die Sozialversicherungsbeiträge abgedeckt werden, die auch in einer Transfergesellschaft Schlecker zu zahlen hätte – es aber nicht kann. Baden-Württemberg erklärte sich bereit, wegen der Zeitnot die Bürgschaft vorerst allein zu schultern.
Voraussetzung sei aber eine Rückbürgschaft der anderen. Die FDP-mitregierten Länder Niedersachsen und Sachsen legten sich als Erste quer. Sie zweifelten auch an der Sicherheit des Kredits. Denn für die Wirtschaftsprüfer von PwC ist die Rückzahlung „mit hohen Unsicherheiten verbunden“. Als Pfand sollen die Tochterunternehmen in Frankreich und Spanien dienen, deren Werthaltigkeit aber angezweifelt wird.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2012)