Die Raiffeisen Bank International (RBI) ist die einzige österreichische Großbank, die für das Jahr 2011 eine Dividende ausschüttet. Der Aktienkurs ist allerdings zu niedrig für eine Kapitalerhöhung.
Wien/Höll. Die Raiffeisen Bank International (RBI) hat ihren Aktionären nicht immer Freude bereitet. Vor sieben Jahren ging sie an die Börse. Der Ausgabekurs lag bei 32,5 Euro. Im Oktober 2007 führte das Institut eine Kapitalerhöhung durch. Wer damals Anteile kaufte, musste 104 Euro hinlegen. Am Donnerstag notierte die Aktie allerdings nur bei 26 Euro. Nun gibt es ein Trostpflaster. Als einzige österreichische Großbank wird die Raiffeisen Bank International für 2011 eine Dividende ausschütten. Wie 2010 sollen die Aktionäre 1,05 Euro pro Anteilsschein erhalten.
Bankchef Herbert Stepic hält diese Maßnahme für gerechtfertigt, obwohl das Institut laut Anordnung der Finanzaufsicht zur Abdeckung der Risken einen zusätzlichen Kapitalpuffer braucht. „Wir verwöhnen – wie auch alle andere Banken – unsere Investoren nicht durch besondere Kursentwicklung“, sagte Stepic am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz. Das soll mit der Dividende kompensiert werden.
Aufgrund des niedrigen Börsenkurses wird Raiffeisen in nächster Zeit keine Kapitalerhöhung durchführen. Denn die Aktie notiert deutlich unter dem Buchwert von 35 bis 36 Euro. Im Vorjahr erwirtschaftete die RBI einen Nettogewinn von 968 Mio. Euro – das ist elf Prozent unter dem Niveau von 2010. Damit stellen die Giebelkreuzer andere österreichische Großbanken in den Schatten.
Stepic sticht Konkurrenz aus
Die Bank Austria verbuchte 2011 einen Gewinn von 209 Mio. Euro (minus 70 Prozent), die Erste Bank rutschte mit 718 Mio. Euro in die roten Zahlen. Denn Erste Bank und Bank Austria mussten bei den Ost-Töchtern hohe Wertberichtigungen vornehmen, beide Institute hatten vor der Finanzkrise teuer zugekauft.
Raiffeisen profitierte 2011 auch von Sondereffekten wie von der Abwertung eigener Schulden (Bewertungsgewinn daraus: 184 Mio. Euro) sowie von Bewertungsgewinnen auf Derivate. Belastend wirkten sich dagegen Abschreibungen wie in der Ukraine aus.
In Osteuropa machte Raiffeisen nur in Ungarn und in Slowenien Verluste. Die Budapester Tochter wurde mit 350 Mio. Euro rekapitalisiert. Laut Stepic dürfte sie auch heuer keinen Gewinn machen. Wegen des von der Regierung angeordneten Umtauschs von Fremdwährungskrediten klagten Raiffeisen und andere Institute den ungarischen Staat. Stepic spricht hier von einer „Enteignung“. Die erste Klage wurde in Budapest eingebracht. Es wird geprüft, ob auch rechtliche Schritte in Österreich eingeleitet werden, da Ungarn das mit Österreich fixierte Investitionsschutzabkommen verletzt hat.
Bank behält Staatshilfe vorerst
Auch wenn die Preise für Banken im Osten gefallen sind, will Stepic keine Akquisitionen tätigen. An der Hypo Alpe Adria, deren Südosteuropa-Netzwerk ab Sommer für den Verkauf vorbereitet wird, ist er nicht interessiert.
Heuer soll sich das Geschäft bei der RBI stabil entwickeln, hofft Stepic. Das Institut habe auch kein Problem, den von der Aufsicht geforderten Kapitalpuffer aufzubauen. Einen Plan für die Rückzahlung der Staatshilfe von 1,75 Mrd. Euro hat Stepic nicht. Über seine Gage schweigt sich der Banker aus: „Das schürt den Neidkomplex.“ Im Vorjahr kletterten die Bezüge des Gesamtvorstands von 8,5 Mio. Euro auf 9,6 Mio. Euro. Hinsichtlich der Kursentwicklung sind sich Analysten uneins. Laut „Bloomberg“ empfehlen zehn Experten, die Aktie zu kaufen, neun zu halten und acht zu verkaufen.