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Ein Tonband als Blutbeutel

Nicht nur Österreichs Dopingsünder sind gebrandmarkt, ab sofort sind es auch ihre Richter.

Doping wird in Österreich automatisch mit Blutbeuteln assoziiert. Die Erinnerungen an Salt Lake City und Turin sind unauslöschlich mit diesem medizinischen Zubehör und den kabarettistischen Erklärungen über dessen vollkommene Harmlosigkeit verbunden. Seit Freitag ist der Wortschatz in dieser Materie um einen Gebrauchsgegenstand reicher: das Tonband.

Der – illegale – Mitschnitt der Urteilsfindung der Rechtskommission der Nationalen Antidopingagentur schlug derart hohe Wellen, dass der Dienstvertrag des Geschäftsführers aufgelöst und alle Kommissionsmitglieder ihrer Aufgaben enthoben wurden.

So sehr das Entstehen dieser Aufnahme – Ex-Langläufer Christian Hoffmann hat sein Handy im Beratungszimmer „vergessen“ – zu verurteilen ist, die Aktion an sich hat ihren Zweck nicht verfehlt. Die Dopingrichter, die nicht nur den Fall, sondern auch sexuelle Vorlieben erörterten, wurden öffentlich bloßgestellt. Das ramponierte Image der Antidopingagentur verursachte dank medialen Rückenwindes nun die Reaktion der Politik.

Österreich ist ein Rechtsstaat, jeder verdient ein faires Verfahren. Nicht nur Hoffmann, der vor der Schiedskommission gegen sein Urteil ankämpft, auch die Dopingrichter. Nach ihrer Enthebung kommt es aber nicht dazu, außer sie wehren sich gegen das Tonband vor Gericht. Machen sie von dieser Möglichkeit tatsächlich Gebrauch, bleibt nur zu wünschen, dass sie auf verantwortungsbewusste Richter treffen.


markku.datler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2012)