Notstand bei der Behandlung von Autisten

Notstand Behandlung Autisten
(c) ORF (Richard Foreman)

In Österreich fehlt eine flächendeckende Behandlung für autistische Kinder. Ein von der Autistenhilfe geplantes Projekt ist in letzter Sekunde geplatzt. Wiens Gebietskrankenkasse lehnt eine Finanzierung ab.

Wien. Heute, Montag, am Welt-Autismus-Tag, wollte die Autistenhilfe ihr neues Projekt zur Behandlung betroffener Kinder vorstellen. Erst am Freitag sagte die Wiener Gebietskrankenkasse ihre schriftliche „Zusage unter Vorbehalt“ ab. Bedingung für die Finanzierung des Projektes durch die EU ist aber die Kofinanzierung von 15 Prozent (maximal 75.000 Euro) aus öffentlicher Hand. Damit ist das Projet geplatzt.

Die Krankenkasse argumentiert, eine Ausbildung, wie sie das Projekt anbiete, sei „keine Kernkompetenz“ der sozialen Krankenversicherung. Kosten würden „grundsätzlich bei keinem Anbieter übernommen“. Carolin Steidl von der Autistenhilfe Österreich ist verwundert und enttäuscht: „Ohne ausgebildete Spezialisten gibt es in Österreich keine adäquate Therapie für Autisten.“ Im Vergleich zu Ländern ähnlicher wirtschaftlicher Standards liege Österreich Jahrzehnte zurück. Autisten werden nach wie vor mit Methoden wie der Ergotherapie und Logopädie „behandelt“. Diese seien zwar hilfreich, „gehen aber nur auf die Begleitsymptome wie motorische Ungeschicklichkeit und Sprachprobleme ein und bieten keine Fortschritte bei den Kernsymptomen“, sagt Steidl.

Die wissenschaftlich erwiesene und in der Praxis bewährte Behandlungsmethode der „angewandten Verhaltensanalyse“ (ABA), die Kommunikation und soziale Interaktion der Kinder fördert, wird seit den 1960er-Jahren in den USA und mittlerweile in den meisten EU-Ländern angeboten. Das Projekt der Autistenhilfe zielt darauf ab, Psychologen, Therapeuten und Pädagogen nach der ABA-Methode auszubilden.

„Wir verhandeln seit 2005 mit der Wiener Gebietskrankenkasse“, sagt Steidl. 2009 hätte die Krankenkasse mündlich zugesagt, an einem neuen Ambulatorium einen Schwerpunkt zu setzen, daraus wurde nichts. „Krankenkasse und Stadt Wien schieben die Verantwortung dem jeweils anderen zu“, sagt Steidl.

Autistische Störungen betreffen etwa ein Prozent der Bevölkerung, sind zehnmal häufiger als das Down-Syndrom. Es gäbe wenige Stellen, die eine Diagnose stellen könnten, sagt Steidl. Der Versorgungsengpass führe dazu, dass Familien abgewiesen werden oder jahrelange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. „Oft kommen die Kinder erst in die Klinik, wenn sie bereits schwerwiegende Störungen aufweisen und sich und andere massiv gefährden.“