Die Zehn Gebote vom Sinai und unsere Grundwerte

Selbst wir postmodernen Menschen brauchen glaubwürdige Gestalten. Wessen Worte sind für mich grundlegend?

In Gewölk, Blitzen und Donner  bei einem Erdbeben erscheint Gott am Berg Sinai, um Israel sein Grundanliegen zu offenbaren: die sogenannten Zehn Gebote. „Ich, JHWH, bin dein Gott, der ich dich aus Ägypten herausgeführt habe, aus dem Haus der Sklaverei.“ Dieses erste Wort des Dekalogs bildet den Höhepunkt des Exodusbuches und die Grundlage des biblischen Rechts.

Wer mich verachtet und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich gesprochen habe, wird ihn richten am Letzten Tag.

Joh 12,48


Gott, der seinen geheimnisvollen Namen JHWH Mose am brennenden Dornbusch vermittelte, befreite Israel aus Ägypten. Befreiung ist der Ursprung des Volkes Israel. Die Bewahrung der Freiheit ist das Ziel des Dekalogs sowie des biblischen Rechts insgesamt.


Eingraviert in steinerne Tafeln, erhalten die Zehn Gebote ihren Ehrenplatz in der goldüberzogenen Bundeslade im Allerheiligsten des Tempels in Jerusalem. Sie symbolisieren das Zentrum des göttlichen Willens und des Bundes zwischen Gott und Israel.
Als Jesus von Nazaret die Zehn Gebote mit seiner spirituellen Autorität bekräftigte, wurden sie als Kern religiöser Ethik über das Judentum hinaus anerkannt. Die Zehn Gebote vom Sinai begannen, ihre Wirkung immer intensiver zu entfalten und wurden zum wohl meistzitierten Text der Weltgeschichte. Nicht nur im religiösen Unterricht und in der Theologie, auch in der Rechtsgeschichte, Literatur und Kunst hinterließen sie unzählige Spuren – und selbst in der Musikgeschichte.


Johann Sebastian Bach verarbeitete Luthers Choräle über den Dekalog, Joseph Haydn komponierte Kanones über die Zehn Gebote und der Salzburger Komponist Sigismund von Neukomm verfasste 1828 das monumentale Oratorium „Das Gesetz des alten Bundes, oder die Gesetzgebung auf Sinai.“
Die Zehn Gebote haben sich in unsere Kultur eingraviert und hinterlassen noch heute allgegenwärtige Spuren. Das Sabbatgebot wirkt im arbeitsfreien Sonntag weiter, der uns als Selbstverständlichkeit erscheint. Die Gebote verlieren an Überzeugungskraft nur, wenn sie moralisierend von ihrem ursprünglichen Zusammenhang und dem Grundgedanken der Befreiung entfremdet werden.

Warum haben die Zehn Gebote solch eine unvergleichliche Wirkung entfaltet? Weil sie von beeindruckenden Gestalten vermittelt wurden. Von einem Gott der Befreiung, der sich in den Mächten der Natur zeigt. Von Mose, dessen monumentaler Charakter sich in Michelangelos Skulptur spiegelt. Von Jesus, der sein Leben als Hingabe verstanden hat, dessen Worte für Milliarden von Christen grundlegend geworden sind.
Auch wir postmodernen Menschen brauchen glaubwürdige Gestalten. Wessen Worte sind für mich grundlegend?

Bimail steht für Bibelmail, ein wöchentliches Rundschreiben des Teams um Pater Georg Sporschill, adressiert an Führungskräfte. Darin werden Lehren aus der Bibel auf das Leben von heute umgelegt.

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