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Treibstoff: Die Angst des Fahrers vor der Tankstelle

(c) REUTERS (HANDOUT)
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Die Preise an den Tankstellen liegen in Österreich auf einem Rekordhoch. Verantwortlich dafür sind Steuererhöhungen und internationale Rohstoffbörsen. Die Funktion Letzterer ist nicht unumstritten.

Der März 2012 brachte im Durchschnitt die höchsten Treibstoffpreise, die hierzulande je an den Zapfsäulen gemessen wurden. Und auch im April ist von Entspannung an den Tankstellen nichts zu spüren. Anlässlich der bevorstehenden Osterfeiertage, die viele Österreicher zum Kurzurlaub nutzen, werden die Autofahrerklubs daher nicht müde, die Mineralölkonzerne als Preistreiber zu kritisieren. Diese verweisen wiederum auf die Regeln des Marktes und die hohe Steuerbelastung. Was sind die wahren Gründe für das aktuelle Preishoch, und werden die Autofahrer wirklich abgezockt? „Die Presse“ hat die Antworten.

(c) DiePresse

1. Ist Treibstoff in Österreich wirklich so teuer wie niemals zuvor?

In absoluten Zahlen: Ja. Zu Wochenbeginn lag der Preis von Super laut ÖAMTC im Österreich-Schnitt mit 1,511 Euro bereits deutlich über der psychologisch wichtigen Marke von 1,5 Euro. Diesel kostete 1,455 Euro – in „alter Währung“ bereits über 20 Schilling je Liter, wie vielerorts zu hören ist. Doch solche Rechenspiele sind mit Vorsicht zu genießen, da sie die Inflation außer Acht lassen. Wird diese einberechnet, dann zeigt sich ein ganz anderes Bild (siehe Grafik). So war Treibstoff im Verhältnis zur Kaufkraft Anfang der 1980er-Jahre über mehrere Jahre hinweg teurer als heute.

2. Warum war Benzin beim Ölpreisrekord von 2008 nicht teurer?

Die Tankstellenpreise lagen im Sommer 2008 etwa auf dem heutigen Niveau – obwohl der Ölpreis damals mit rund 145 Dollar je Fass deutlich teurer war als heute (125 Dollar je Fass). Dies kann durch zwei Ursachen erklärt werden: Erstens wurde per Jahresanfang 2011 die Mineralölsteuer angehoben. Bei Diesel machte dies inklusive Mehrwertsteuer sechs Cent je Liter aus, bei Benzin knapp fünf Cent. Diese Anhebung erklärt bereits den Großteil der höheren Zapfsäulenpreise. Zweitens gab der Euro gegenüber dem Dollar seit 2008 stark nach – dadurch wurde Rohöl für europäische Kunden teurer.

3. Wie setzt sich der Treibstoffpreis überhaupt zusammen?

Wenn ein Liter Diesel um 1,455 Euro gezapft wird, erhält 47 Prozent des Preises der Fiskus in Form von Mineralöl- und Umsatzsteuer. Noch größer ist der „Staatsanteil“ bei Benzin, von dem fast 52 Prozent an den Finanzminister fließen. Vom Rest geht der Großteil an den Rohölproduzenten und die Raffinerie. Um die Kosten des Verkaufs in Österreich zu decken, bleiben rund acht Prozent des Endverbraucherpreises. Ein Tankstellenpächter verdient in der Regel rund einen Cent je Liter.

4. Welche Faktoren beeinflussen die Höhe des Treibstoffpreises?

Hauptfaktor ist der Großhandelspreis von Benzin und Diesel in Rotterdam. Dieser kann vom Rohölpreis mitunter auch abweichen, beispielsweise, wenn es Engpässe bei Raffinerien gibt. In der Regel verhalten sich die Preise an der Öl- und der Produktenbörse jedoch ähnlich. Allerdings ist auch Rotterdam nicht ganz unumstritten. So ergab eine Untersuchung der heimischen Wettbewerbsbehörde, dass dort jeden Tag nur eine Handvoll Kontrakte abgeschlossen wird, einzelne Verträge können demnach den europaweiten Tankstellenpreis beeinflussen. Neben der Rotterdamer Börse ist aber auch die lokale Wettbewerbssituation entscheidend: etwa die Zahl der Diskonttankstellen in der Region.

5. Wer profitiert von den hohen Benzin- und Dieselpreisen?

Für die Mineralölkonzerne sind hohe Preise naturgemäß ein Geschäft. Allerdings verdienen sie vor allem über den hohen Rohölpreis, der von anderen Faktoren getrieben wird (siehe unten), und nur wenig über die raffinierten Produkte. Deswegen will etwa die OMV ihr Tankstellengeschäft zurückfahren und ihre Explorationstätigkeit ausbauen. Doch auch der Staat profitiert, da die Mehrwertsteuer prozentuell „mitwächst“.

6. Wie sehen die heimischen Preise im internationalen Vergleich aus?

Im EU-Vergleich ist Österreich immer noch ein günstiger Ort, um zu tanken. So lagen Ende März sowohl die Netto- als auch die Bruttopreise hierzulande unter dem EU-Schnitt. Zum Vergleich: In Italien oder Griechenland kostet ein Liter Super bereits über 1,80 Euro je Liter.

7. Was kann man als Autofahrer angesichts der hohen Preise tun?

Aufgrund der Spritpreisverordnung darf nur ein Mal am Tag – um zwölf Uhr mittags – der Preis angehoben werden. Autofahrer sollten daher abends oder vormittags tanken, da nach der Erhöhung zu Mittag die Preise in der Regel wieder sinken. Zudem sollte der Tank nicht erst gefüllt werden, wenn er leer ist, sondern wenn die Preise niedrig sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2012)