Uganda: Von der Lehmhütte in die Schule

(c) Kinder ohne Chance
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Stefan Pleger wurde 2010 von „Presse“-Lesern zum „Österreicher des Jahres“ gewählt. Mit dem Preisgeld hat er eine Schule für behinderte Kinder errichtet.

Wien. So schnell wird ihnen die Arbeit zwar nicht ausgehen. Aber Stefan Pleger und Gabi Ziller – die Gründer des Vereins „Kindern eine Chance“ – haben eine große Hürde überwunden. „Wir wurden vor eineinhalb Jahren von den Politikern des Distrikts angesprochen, da es keine einzige schulische Einrichtung für behinderte Kinder gab“, sagt Pleger. Also haben sie sich gemeinsam mit Politikern an die Entwicklung einer Schule für Kinder mit speziellen Bedürfnissen gemacht.

Und genau diese Vorgehensweise, also dass der Distrikt selbst auf die Hilfsorganisation zukommt, zeigt, dass sich „Kindern eine Chance“ in Uganda mittlerweile einen Namen gemacht hat. Denn in den ersten Jahren stieß der Verein eher auf Skepsis und Abneigung – seit 2008 ermöglicht die NGO Waisen und anderen benachteiligten Kindern eine Schulausbildung. „Damals wurden uns viele Steine in den Weg gelegt, weil sich die Beamten um ihren Anteil betrogen gefühlt haben“, sagt Pleger. Er hat die Korruptionsversuche recht rasch gestoppt. „Wir haben die Namen jener Beamten, die Bestechungsgelder von uns wollten, publik gemacht. Also hat sich das schnell aufgehört“, sagt der Tiroler, der 2010 von den „Presse“-Lesern zum „Österreicher des Jahres“ in der Kategorie „Humanitäres Engagement“ gewählt wurde.

Geldfluss ohne Zwischenstation

Pleger, der sein Geld als Projektleiter beim Innsbrucker Tanzsommer verdient, verfolgt den Ansatz, so viel Geld wie möglich direkt in die Bildungsprojekte in Uganda zu stecken. Das österreichische Team arbeitet ehrenamtlich, lediglich die Mitarbeiter in Uganda erhalten ein landesübliches Gehalt. Der Rest der Spendengelder fließt direkt in die Bildungsprojekte.

So wurde etwa mit den 10.000 Euro, die Pleger als „Österreicher des Jahres“ erhielt, ein Grundstück im Distrikt Mityana erworben. Mit finanzieller Unterstützung der Österreicherin Dagmar Ballweber ist dort in nur fünf Monaten eine Schule entstanden. Und zwar nicht irgendeine Schule, sondern eine, die jenen Kindern, die aufgrund ihrer Behinderungen aus Scham in den Lehmhütten der Dorfbewohner versteckt wurden, eine Ausbildung bietet. Zwölf Schüler beherbergt die Schule derzeit, die nach Christoph Bettermann, dem Sohn der Spenderin, benannt ist. Seit März läuft der Betrieb. „Sobald wir die finanziellen Mittel haben, wollen wir aber ausbauen. Sanitäranlagen und Küche sind für dreimal so viele Kinder ausgelegt.“

Betreut werden die Schüler von einem lokalen Team, das teilweise erst selbst in seine Rollen wachsen muss. „Es gibt dazu keine Ausbildung in Uganda“, so Pleger. Während in einer normalen Schule in Uganda meist um die 80 Kinder von einem Lehrer betreut werden, gibt es in der Christoph-Bettermann-Schule lediglich Kleingruppen mit sechs Kindern. Die Kinder, die zwischen fünf und zwölf Jahre alt sind und verschiedene körperliche und geistige Behinderungen haben, profitieren von dem schulischen Angebot. „Es ist unglaubliches Potenzial da. Die Kinder machen schon nach wenigen Wochen enorme Fortschritte. Das hätte man früher nicht gedacht.“

Jause gegen Lehrkraft

Aufgrund der weiten Entfernungen besuchen alle Schulkinder auch das Internat. Die Eltern der Kinder sind froh, dass sich jemand um die Kleinen kümmert. „Man muss aber aufpassen, dass die Kinder nicht abgeschoben werden. Wir beziehen die Eltern stark ein, etwa durch Besuchstage.“

Insgesamt betreut die Organisation mittlerweile sechs Schulen, wodurch 700 Kinder erreicht werden. Zusätzlich gibt es immer wieder neue Projekte. So bietet etwa der Verein Schulen an, die Kosten für die Jause zu übernehmen – was wiederum Eltern motiviert, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Als Gegenleistung darf der Verein kontrollieren, ob die Lehrer tatsächlich anwesend sind. „Es kommt hier nämlich schon öfter vor, dass manche Lehrer nicht zur Arbeit erscheinen. Manchmal kommen auf 300 Kinder zwei Lehrer“, sagt Pleger, der übrigens nicht nur auf der Suche nach Spendern ist, sondern auch nach ehrenamtlichen Mitarbeitern. Allerdings nimmt er nicht jeden: „Die müssen schon qualifiziert sein und dem Verein etwas bringen.“

Auf einen Blick

„Kindern eine Chance“ ermöglicht seit 2008 Waisen und anderen benachteiligten Kindern in Uganda eine Schulbildung. 2010 wurde Vereinsgründer Stefan Pleger von den „Presse“-Lesern zum „Österreicher des Jahres“ in der Kategorie „Humanitäres Engagement“ gewählt. Mit dem Preisgeld (10.000 Euro) erwarb er ein Grundstück im Distrikt Mityana. Im März wurde dort eine Schule für behinderte Kinder eröffnet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.04.2012)

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