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Testamentsfälscher: Zehn Vorarlberger vor Gericht

(c) Erwin Wodicka - BilderBox.com (Erwin Wodicka - BilderBox.com)
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Mehrere Mitarbeiter des Bezirksgerichts Dornbirn sollen jahrelang Erben geprellt haben. Schaden beträgt zehn Millionen Euro. Um Befangenheit der Justiz auszuschließen, findet das Verfahren in Salzburg statt.

Salzburg. Es geht um etwa 150 um ihr Erbe geprellte Opfer. Der Sachschaden beläuft sich auf die Summe von mindestens zehn Millionen Euro. Unter Verdacht stehen zehn Personen, deren Treiben die Ermittler in 48 Aktenbänden zusammengetragen haben. Insgesamt bringt es der umfangreiche Strafakt rund um die Testamentsfälscher von Vorarlberg derzeit auf einen Umfang von 23.000 Seiten.

Die Eckdaten um den Großprozess, der am 16. April am Salzburger Landesgericht beginnt, sind durchaus beeindruckend. Mitarbeiter des Bezirksgerichts Dornbirn sollen in den Jahren 2001 bis 2008 bei 20 Verlassenschaftsverfahren Testamente und Verträge zu ihren Gunsten manipuliert haben. Unter den zahlreichen Angeklagten befinden sich unter anderem eine suspendierte Richterin, ein Kanzleileiter, ein Rechtspfleger und eine kaufmännische Angestellte.

Wegen einer möglichen Befangenheit der Vorarlberger Justiz wurde das Verfahren vom Obersten Gerichtshof nach Salzburg verlegt. Richter Andreas Posch (46) plant 17 Verhandlungstage bis Anfang Juni.

Zwei Anklageschriften

Die Angeklagten müssen sich wegen Amtsmissbrauchs, gewerbsmäßig schweren Betrugs unter Ausnützung einer Amtsstellung sowie Fälschung besonders geschützter Urkunden verantworten. Dem zuständigen Gericht liegen in der Causa gleich zwei Anklageschriften vor: Eine wurde von der Staatsanwaltschaft Feldkirch erstellt, eine zweite von der Staatsanwaltschaft Steyr. Sie behandelt unter anderem die Vorwürfe gegen die suspendierte Richterin, die zuletzt am Gericht Feldkirch gearbeitet hat.

Richterin wurde misstrauisch

Aufgeflogen war die ganze Sache erst im Jahr 2009, als einer Richterin am Bezirksgericht Dornbirn Ungereimtheiten bei einer Verlassenschaftssache aufgefallen waren. Sie recherchierte weiter und entdeckte, dass mehrere Testamente sehr ähnlich waren. Als Testamentskuratoren tauchten immer wieder die Namen bestimmter Justizmitarbeiter auf. Die Richterin erstattete schließlich Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen aufnahm.

Zunächst standen lediglich zwei Justizmitarbeiter im Visier der Ermittler, dann weitete sich die Causa aber immer mehr aus. Am Ende ihrer Arbeit ging die Staatsanwaltschaft von 20 gefälschten Testamenten mit einer Schadenssumme von rund zehn Millionen Euro aus.
Die Angeklagten sollen die Testamente so manipuliert haben, dass bei den Verlassenschaften sie oder ihnen nahestehenden Personen zu den Begünstigten gehörten. Wie lange das Verfahren dauern wird, steht noch nicht fest. Im günstigsten Fall könnte es ein Urteil im Sommer geben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10. April 2012)