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Pfarrerinitiative sieht „Ungehorsam" Schönborns

Kardinal Christoph Schönborn.
(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Wegen des "Ja" der Erzdiözese Wien zu einem homosexuellen Pfarrgemeinderat im Weinviertel dreht die Pfarrerinitiative nun den Spieß um.

WIEN (d. n./APA) Neue Runde in den Disputen zwischen der Pfarrer-Initiative rund um Helmut Schüller und der Kirchenleitung. Nun sieht die Pfarrerinitiative einen „Ungehorsam" Kardinal Christoph Schönborns. Grund: Der Wiener Erzbischof hat sein Einverständnis zur Wahl eines homosexuellen Pfarrgemeinderats gegeben, der in eingetragener Partnerschaft mit einem Mann lebt.

Peter Paul Kaspar, vielfacher Buchautor und Vorstandsmitglied der Pfarrer-Initiative, hat nun einen Offenen Brief an Kardinal Schönborn geschrieben, der der „Presse" vorliegt. Darin heißt es unter Bezugnahme auf die Entscheidung für den homosexuellen Pfarrgemeinderat: „Es ist möglich, dass Sie dafür von einer römischen Instanz getadelt werden. Und Sie haben das offensichtlich in Kauf genommen und wollen nun zu Ihrem ,Ungehorsam' stehen." Und weiter: Die Entscheidung sei „ein erfreuliches Beispiel, wie ein Bischof in seinem Amt dem Gewissen gehorcht, obwohl das Kirchenrecht oder die römische Weisung Anderes vorsieht. Wir wollen Ihren ,Ungehorsam' gern als die erfreuliche Selbstverantwortung eines - im wörtlichen Sinn - ,gewissenhaften' Amtsträgers ansehen."

Gleichzeitig kritisiert Kaspar den Kardinal in einem anderen Punkt. Erst vor wenigen Tagen hat Schönborn erneut von der Pfarrerinitiative die Rücknahme des Begriffs Ungehorsam verlangt. Kaspar hat an der Formulierung des „Aufrufs zum Ungehorsam" im vergangenen Juni maßgeblich mitgearbeitet. Den Widerruf eines Wortes einzufordern sei ein „allzu schlichtes Modell, mit Meinungsverschiedenheiten umzugehen", so Kaspar. Statt die Revision der Überschrift zu urgieren sollten die Inhalte diskutiert werden. Unter anderem wird in dem Aufruf das Ende des Zölibats und des Verbots der Laienpredigt gefordert. Christlicher Gehorsam sei kein äußerlicher Befehlsgehorsam. Die Weisung des Bischofs spiele „keineswegs" die erste Rolle: „Gott mehr zu gehorchen als den Menschen" laute die biblische Regel, so Kaspar.

Pfarrer resigniert

Während dessen hat der Sprecher der Erzdiözese Wien am Dienstag auf die jüngste Ankündigung des des Pfarrers der Weinviertler Gemeinde Stützenhofen im Bezirk Mistelbach, Gerhard Swierzek, reagiert. Er wolle die Pfarre nicht weiter (mit)betreuen, weil er einen homosexuellen Pfarrgemeinderat nicht akzeptieren könne. Der Verzicht eines Seelsorgers auf eine Pfarre sei „nichts Außergewöhnliches", dies geschehe auch aus Gesundheitsgründen oder aufgrund von Überforderung, sagte der Sprecher von Kardinal Christoph Schönborn, Michael Prüller, am Dienstag.

Gespräch mit dem Kardinal

Swierzek hatte bedauert, dass es nie zu einer persönlichen Begegnung zwischen ihm und Schönborn in der Angelegenheit gekommen sei. Er hofft, dies nun nachholen zu können. Seine beiden weiteren Pfarren will er nach wie vor betreuen.

Derzeit befindet sich der Wiener Erzbischof allerdings noch bis Ende der Woche in Israel. Ein Gespräch mit Schönborn und dem zuständigen Generalvikar, Nikolaus Krasa, sei daher frühestens kommende Woche möglich. Technisch gesehen wäre der Verzicht auf die Pfarre laut Prüller möglich.

Entzündet hatte sich der Konflikt in der Kleinstpfarre Stützenhofen an der Wahl Florian Stangls in den Pfarrgemeinderat. Dieser hatte Mitte März rund 80 Prozent der Stimmen erhalten. Für Pfarrer Swierzek allerdings hätte der 26-Jährige erst gar nicht für dieses Amt kandidieren dürfen. Dessen Lebensweise widerspreche den kirchlichen Normen.

Schönborn korrigierte seine ursprünglich gleichfalls zumindest skeptische Haltung Ende März und meinte, Stangl habe ihn bei einem Treffen mit seiner „gläubigen Haltung, seiner Bescheidenheit und seiner gelebten Dienstbereitschaft sehr beeindruckt".

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11. April 2012)