Monty Python haben sich geirrt: Man kann in Belgien abseits scheußlicher Badeorte durchaus fein urlauben.
Viel Unrecht ist Belgien in seiner fast schon 182-jährigen Geschichte widerfahren, und so wollen wir uns um die Berichtigung zumindest einer Falschmeldung bemühen: Belgien ist nicht, wie unrichtigerweise von Monty Python im Lied „Finland“ behauptet, das armseligste Reiseziel der Welt. Wahr ist vielmehr, dass man in Belgien ziemlich gut Urlaub machen kann – vorausgesetzt, man hält sich von dem zu architektonischer Entsetzlichkeit geronnenen belgischen Brutalismus in Badeorten wie Knokke fern. Richtig fein ist es hingegen in den Ardennen, wo man in geringem Umkreis allerlei Interessantes unternehmen kann. Als Basis für ein Ardennen-Wochenende sei das Landgasthaus „Baraque Michel“ im Hohen Venn empfohlen. Das Hohe Venn (en français: Les Hautes Fagnes) ist eines der größten Hochmoore Europas und als solches naturgeschützt. Im Sommer 2011 brannte es gar übel im Venn, doch schon tschilpt und zwitschert und pfeift es dem Wanderer wieder lustig um die Ohren. Die „Baraque Michel“ wurde vor fast genau 200 Jahren vom rheinländischen Steinmetz Michel Henri Schmitz gegründet, und rheinländisch sinnesfroh geht es auch heute noch dort zu. Man braut Bier, bäckt Brot, und wenn auf der Karte ein Wildschweinragout oder Kaninchenschenkel angepriesen werden, dann sollte der Gast den Empfehlungen des dreisprachigen Kellners folgen. Auf geradezu hochalpinen 674 Metern Seehöhe liegt die Hütte, was nach dem nahe gelegenen Hügel Botrange (694 Meter) immerhin der zweithöchste Punkt des Königreichs ist. Ja aber was ist jetzt mit dem Haialarm aus dem Titel dieser Kolumne, höre ich Sie protestieren. Nur mit der Ruhe: Der bricht aus, wenn Sie die exzellente Forelle „à l'italienne“ wählen – kurz: den Venn-Hai.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2012)