Energie: Österreichs Weltrekord in der Wüste

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Heimische Unternehmen bauen die weltgrößte Solaranlage in Riad. Das ist erst der Anfang. In Chile könnten die Firmen ihren eigenen Rekord selbst übertrumpfen.

Wien/Auer. „Wir waren in China, in Deutschland, in Großbritannien. Dann sind wir nach Österreich gekommen – und haben hier die besten Sonnenkollektoren gefunden“, sagt Ennis Rimawi von Millenium Energy Industry. Sein Unternehmen hat als Konsortialführer eben erst das bisher größte Solarkraftwerk der Welt gebaut. 36000 Quadratmeter voller Sonnenkollektoren versorgen seit Anfang des Jahres die 40.000 Studentinnen der Frauenuniversität Princess Noura Bint in der saudiarabischen Hauptstadt Riad mit Warmwasser. Es ist die mit Abstand größte solarthermische Anlage der Welt – und ein gutes Stück davon kommt aus Österreich.

Jeden einzelnen Sonnenkollektor für das 11,5 Milliarden Dollar schwere Projekt lieferte der Kärntner Betrieb GREENoneTEC. Für einen Anteil von umgerechnet 3,6 Millionen Euro habe man die Solarpaneele komplett neu adaptiert, erzählt Firmenchef Robert Kanduth. Denn bisher mussten seine Sonnenkollektoren keinem Sandsturm mit einer Windgeschwindigkeit von 150 Kilometern pro Stunde standhalten. Doch nicht nur die „Hardware“, auch die „Software“ hinter dem Rekordprojekt kommt aus Österreich. Die außeruniversitäre Forschungsabteilung AEE Intec steuerte die komplette Hydraulik und das Systemkonzept für das solarthermische Kraftwerk bei.

Anders als bei der Fotovoltaik wird die Sonnenenergie bei der Solarthermie nicht dazu genutzt, Strom zu erzeugen, sondern dafür, Wasser zu erwärmen. Die Vorteile: Die Wirkungsgrade sind deutlich besser als bei PV-Anlagen und vor allem: Das System ist mit rund vier Cent je Kilowattstunde um ein Vielfaches billiger.

 

Zu viel Sommersonne?

Für den AEE-Forscher Werner Weiss ist der heutige Erfolg auch ein Resultat der jahrelangen Forschung, die ohne die öffentliche Förderung des Verkehrsministeriums nicht möglich gewesen wäre. Denn im Zuge der langjährigen Forschungsarbeit fand AEE Intec schon vor Jahren Lösungen für die Probleme, die sich erst in der Wüste tatsächlich gestellt haben. Fragen wie „Was tun, wenn im Sommer zu viel Sonnenenergie da ist und die Studentinnen einfach kein auf 93 Grad geheiztes Wasser brauchen? Oder umgekehrt: Wie muss das System adaptiert werden, um den nächtlichen Frost zu überstehen?“, konnte das Team um Weiss problemlos beantworten.

Lange wird das weltgrößte Solarkraftwerk seinen Rekord nicht halten. Zum Glück, denn die erste industrielle Anlage mit einer Leistung von 25 Megawatt (MW) weckt weltweit Interesse. Gerade in Chile winken Nachfolgeprojekte, die die Anlage in Riad schnell in den Schatten stellen könnten: Um Kupfererz auswaschen zu können, benötigt die lokale Bergbauindustrie 70 Grad heißes Wasser. Die Energie dafür wird bisher in Öltanks per Lastwagen angeliefert.

Eine solarthermische Anlage wie in Riad könnte die gleiche Leistung zu den halben Kosten liefern, sagt Kanduth. Das Potenzial ist groß: In Summe geht es um bis zu 40 Projekte. Mit einer durchschnittlichen Leistung von 30 bis 40 MW könnte jedes von ihnen den Sonnenweltrekord aus der Wüste brechen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2012)