Minenaktien werden oft als Alternative zu physischem Gold empfohlen. Doch bewegen sie sich derzeit in Richtung Zweijahrestief. Für eine Erholung fehlen die Impulse.
Wien. Der Anstieg des Goldpreises hat zumindest eine Pause eingelegt. Seit Jahresbeginn liegt der Preis für das glänzende Edelmetall zwar noch leicht im Plus, von seinem nominellen Allzeithoch bei mehr als 1900 Dollar hat sich der Goldpreis weit entfernt. Am Donnerstagnachmittag kostete eine Feinunze 1652 Dollar (1255 Euro).
Damit liegt der Goldpreis um 13Prozent unter seinem Hoch vom vergangenen September. Das ist bitter für jene, die sich gerade zu diesem Zeitpunkt mit Goldbarren und Goldmünzen eingedeckt haben. Wesentlich schwerer erwischt hat es jene, die in Goldminenaktien investiert haben. Der NYSE Arca Gold Bugs Index, der die Wertentwicklung von 16 großen Goldproduzenten widerspiegelt, hat sich um 30Prozent von seinem Septemberhoch entfernt. Auf Jahressicht hat er fast ein Viertel verloren und notiert nur noch knapp über seinem Zweijahrestief.
Verlierer in der Mehrheit
Nur drei der 16 Unternehmen liegen seit einem Jahr im Plus: Yamana Gold (Isin CA98462Y1007), Buenaventura (US2044481040) und Randgold (GB00B01C3S32). Die übrigen Werte rutschten um zehn bis 50Prozent ab.
Goldminenaktien werden häufig als Alternative zu physischem Gold empfohlen. Man spart sich die Lagerkosten und investiert dennoch in reale Werte, so die Überlegung. Doch geht man auch Risken ein, die man bei direkten Goldinvestments nicht hat.
Die Unternehmen sind von ihren Explorationserfolgen abhängig, leiden unter hohen Rohstoffkosten, Unruhen oder Streiks. „Die Funde der letzten Zeit haben hinsichtlich der Goldqualität eher enttäuscht“, berichtet Ulrich Baumann, Fondsmanager des Volksbank Pacific-Invest. Der hohe Ölpreis setze den Firmen zu, die oft hohe Transportkosten hätten, da sie, etwa in Australien, weit abseits gelegen seien. Hinzu komme die Begehrlichkeit der Staaten, die in Zeiten von Geldnot gerne Sondersteuern für Goldproduzenten einführen. „In Australien ist das immer wieder ein Thema“, sagt Baumann.
Momentan setze den Minenaktien zusätzlich zu, dass die Stimmung für Aktien „nicht brüllend positiv“ sei, meint der Experte. Auch für den Goldpreis sieht es derzeit nicht allzu rosig aus. Der Preis könne noch um 100 bis 200 Dollar fallen, meint Baumann. Das werde auch an den Minenaktien nicht spurlos vorbeigehen.
Diese waren freilich auch kaum angesprungen, als der Goldpreis im Vorjahr zum Höhenflug ansetzte. „Das ist nichts Ungewöhnliches“, stellt Erste-Analyst Hans Engel fest. Die Minenaktien hinken dem Goldpreis weit hinterher. Derzeit seien die Analysten noch zu vorsichtig mit ihren Gewinnschätzungen und würden mit einem Goldpreis kalkulieren, der unter dem aktuellen liege. Das lasse die Bewertungen schlecht aussehen.
„Im Moment wird sich nicht großartig viel ändern“, glaubt Engel. Zuerst müsse sich der Goldpreis wieder auf einen Höhenflug begeben, erst dann würden die Minenaktien nachziehen.
Wer sein Geld in Minenaktien steckt, sollte berücksichtigen, dass diese viel volatiler sind als der Goldpreis, stellt der Erste-Analyst fest. Für risikoaverse Investoren, die Gold als Sicherheit für Krisenzeiten kaufen, sind Goldminenaktien daher eher keine Alternative.
Risiko streuen
Doch auch mutigere Anleger sollten eher in solche Unternehmen investieren, die bereits Erträge erzielen, über mehrere Minen verfügen und in Ländern mit geringem politischem Risiko liegen (etwa Kanada), rät Engel. Eine Alternative ist es, in entsprechende Fonds und Zertifikate zu investieren.
Bei Fonds hat man die Wahl zwischen gemanagten Produkten (dabei überlässt man die Auswahl gegen Gebühr einem Fondsmanager) und Exchange Traded Funds (ETFs). Diese bilden einen bestimmten Index ab. Neben den klassischen Indizes wie dem NYSE Arca Gold Bugs Index gibt es auch solche, die die Anbieter selbst erstellen: Der weltgrößte Vermögensverwalter, BlackRock, hat einen Fonds aufgelegt, der auf Unternehmen setzt, die in drei Kategorien gut abschneiden: Dividendenrendite, Ausweitung der Produktion und Explorationserfolge.
Schließlich gibt es noch Partizipationszertifikate, die die Wertentwicklung eines Korbs voller Aktien abbilden. Ein Beispiel ist das Zertifikat der Erste Group (AT0000A0DY51). Dabei wird man aber nicht direkt Aktionär, sondern kauft eine Schuldverschreibung einer Bank.
Was Sie beachten sollten bei... Goldminenaktien
Tipp1
Alternative zu Gold. Wer nicht direkt in Barren oder Münzen investieren will, kann auch Wertpapiere kaufen. Zertifikate, die den Goldpreis abbilden, sind Schuldverschreibungen von Banken. Für Anleger, die sich reale Werte als Sicherheit zulegen wollen, sind sie daher wenig geeignet. Über Minenaktien investiert man zumindest in reale Werte: in Unternehmen.
Tipp2
Risiko. Goldminenaktien schwanken stärker als der Goldpreis. Ursache ist, dass mehrere Risken hinzukommen: das Explorationsrisiko, das politische Risiko, die Abhängigkeit von Rohstoffen wie Öl oder Kupfer. Minenaktien erholen sich eher dann, wenn die Börsen steigen. Diese haben zu Jahresanfang stark angezogen, jetzt aber einen Seitwärtsgang eingelegt.
Tipp3
Auswahl. Für Kleinanleger ist es schwer zu überprüfen, wie gut die Qualität von Goldfunden ist. Doch sollten sie auf Kennziffern wie Verschuldung oder Dividendenrendite achten. Zwecks Streuung sollte man große Firmen bevorzugen. Auch bei Unternehmen, die erst zu fördern beginnen, ist das Risiko hoch. Eine Alternative sind Fonds und Zertifikate.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.04.2012)