Investition. Eine Reihe österreichischer Unternehmen startet Produktionen um Shanghai.
Shanghai. Die AUA hat mit Wien-Shanghai derzeit eine lukrative Strecke im Programm: Heuer werden eine ganze Reihe von Vorständen österreichischer Firmen samt Tross in die südostchinesische Wirtschaftsmetropole fliegen.
Zu Werkseröffnungen. Denn die Region am Unterlauf des Jangtse-Flusses, die derzeit die höchste Baukran-Dichte der Welt aufweist, ist auch eine Österreicher-Baustelle: Die Lenzing AG baut hier gerade eine Faserfabrik, der Leiterplattenhersteller AT&S stellt neben sein bestehendes Werk in Shanghai eine zweite, gleich große Anlage hin.
Die ist derzeit ebenso im fortgeschrittenen Rohbaustadium wie die direkt daneben stehende Maschinenfabrik des Maschinenbauers Engel aus Oberösterreich. Der oberösterreichische Autozulieferer Miba baut an einem Werk im 80 Kilometer von Shanghai entfernten Suzhou, Magna Powertrain füllt seine noch reichlich leere neue Werkshalle in Changzou gerade mit Maschinen, dasselbe hat die Turnauer-Tochter Isovolta mit einer neu errichteten Werkshalle in der selben Stadt vor. Die meisten dieser neuen Anlagen werden im zweiten Halbjahr 2006 in Betrieb gehen.
Insgesamt entstehen in China einige Tausend "österreichische" Arbeitsplätze. Aus Kostengründen aus Österreich verlagert? "Nein", sagt Herbert Hummer, General Manager der China-Tochter Lenzing Nanjing Fibre und in der alten Kaiserstadt Nanjing gerade mit dem Aufbau des neuen Werkes beschäftigt. Natürlich helfe das niedrige Lohnniveau im Reich der Mitte, konkurrenzfähig zu bleiben. Aber "wir müssen schlicht mit unseren Kunden mitziehen".
Lenzing stellt Fasern für die Textilindustrie her. Und die wird immer mehr zur innerchinesischen Veranstaltung. 40 Prozent des Welt-Textilmarktes gehört schon den Chinesen, fast jedes zweite Stück stammt also aus China. Wer hier nicht produziert, fliegt aus dem Markt.
Und der wächst gigantisch: Im Jahr 2000 erst hat die chinesische Fasernachfrage das europäische Niveau erreicht. Jetzt ist sie schon doppelt so hoch. "Ein in der Geschichte einmaliges Momentum", wie Lenzing-Vorstandsdirektor Christian Reisinger die Dynamik beschreibt. Der Konzern stellt sich darauf ein: Derzeit werden 60 Mill. Euro in ein Werk für 50.000 Jahrestonnen investiert. Doch die Anlage ist für eine Erweiterung auf 200.000 Jahrestonnen ausgelegt.
Dabei, so Hummer, sei das, was sich in der Textilindustrie abspielt, im Vergleich zu Branche wie Elektronik oder Stahl noch harmlos: "Hier wird jeden zweiten Monat eine Voest gebaut".
Die Notwendigkeit, mit den Kunden mit zu ziehen sehen auch Autozulieferer wie Miba und Magna. Derzeit schleppt sich die chinesische Autoindustrie zwar noch mit veralteten Modellen dahin, aber das kann sich, wie die Beispiele Japan und Korea gezeigt haben, sehr schnell ändern. Und produziert wird ja auch für den Export: Die Maschinen im derzeit noch relativ leeren Magna-Werk produzieren beispielsweise Motorteile für Toyota.
Stark im Export ist auch der österreichische China-Pionier AT&S: Ein beträchtlicher Teil der in Shanghai produzierten Handy-Leiterplatten geht nach Europa zurück. Eingebaut beispielsweise in europäische Nokia-Handys, die in China produziert werden.
Wie Lenzing will auch AT&S China-Finanzchef Thomas Obendrauf nicht von Verlagerung sprechen: "Wir verlagern nicht, aber das Marktwachstum findet eben hier statt". AT&S hat hier 2001 sein erstes Werk gebaut, jetzt wird mit dem Werk zwei gerade erweitert, 2010 soll Werk drei in Betrieb gehen. Dann wird der steirische Leiterplattenhersteller in China gut 400 Mill. Euro umsetzen. Viermal so viel wie 2005. Investiert hat AT&S bisher 300 Mill. Euro - und schon jetzt arbeiten etwas mehr als ein Viertel aller Beschäftigten der österreichischen Industriegruppe in China.