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Chinesische Medizin kann schädlich sein

Symbolfoto(c) Clemens Fabry
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Am in Taiwan häufigen Krebs der Harnwege dürften traditionelle Arzneien schuld sein. Moniert wird auch, dass die wenigen Angaben oft falsch sind.

„Natürliche“ Arzneien seien grundsätzlich weniger schädlich als „chemische“ Medikamente: Diese Einstellung ist Unsinn, sie hat aber noch viele Verfechter. Darunter auch Freunde der „Traditionellen Chinesischen Medizin“, kurz TCM. 15 TCM-Präparate wurden nun mit DNA-Analysen untersucht (PLoS Genetics 8/4) – von australischen Forschern, die warnen, dass manche der Arzneien Pflanzen der Gattungen Ephedra und Asarum enthalten: „Diese Pflanzen enthalten Chemikalien, die in falscher Dosierung giftig sein können, aber auf den Packungen sind keine Konzentrationen angegeben.“

Moniert wird auch, dass die wenigen Angaben oft falsch sind: So fanden sich in einem Produkt, das laut Verpackung zu 100 Prozent aus Saiga-Antilopen gewonnen wird, beträchtliche Mengen von Ziegen- und Schaf-DNA. Andere Proben enthielten DNA von Tieren, die vom Aussterben bedroht und daher geschützt sind, etwa vom Kragenbär. „Wenn die TCM ihren Platz in der modernen Apotheke finden soll“, resümieren die Forscher, „dann muss sie Wege finden, um sich überprüfbar zu machen.“

 

Das böse alte Biberkraut

Auf konkrete Gesundheitsgefahr deutet eine in Pnas publizierte taiwanesische Studie. Man weiß schon länger, dass die in der chinesischen Volksmedizin verwendeten Aristolochia-Pflanzen die aromatische Verbindung Aristolochiasäure enthalten, die toxisch ist und im Tierversuch kanzerogen wirkt. Nun fand sich ein Zusammenhang mit dem in Taiwan ungewöhnlich häufigen Krebs der oberen Harnwege: Bei mehr als der Hälfte der Patienten zeigen die Krebszellen eine Veränderung von mit der Krebsentstehung verknüpften Genen (z.B. p53), die typisch für die Einwirkung von Aristolochiasäure auf die DNA ist.

Zwischen 1997 und 2003 nahm laut Studie ein Drittel der Taiwanesen Aristolochia-Präparate ein, meist aus der Gewöhnlichen Osterluzei, auch Biberkraut genannt. Dieses galt früher auch bei uns als Heilmittel, es wurde im Altertum etwa zur Geburtshilfe eingesetzt, der Name Aristolochia kommt daher („aristos“: sehr gut; „lockeius“: zum Gebären gehörig). Heute werden Aristolochia-Präparate in der europäischen Medizin nicht mehr zugelassen. Auch in Taiwan sind sie seit 2003 offiziell verboten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2012)