Eine Spitze für die Pyramide

(c) REUTERS/Kieran Doherty
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Das höchste Gebäude Europas ist eine „Glasscherbe“. Der Bau von „The Shard“ geht ins Finale, kürzlich setzte die Stahlspitze auf.

Mad/Apa/Dpa. ] Neben ihm wirken die anderen Tower der Londoner Skyline wie Objekte im Minimundus und die Themse wie ein trüber Fluss: Mit 310 Metern und 95Stockwerken ist „The Shard“ zu Europas höchstem Gebäude gewachsen. Das Auffällige an der Neo-Landmark wird allerdings nicht nur ihre Höhe, sondern auch ihre Fassade sein: Sie soll in allen Facetten glitzern – dank einer Verkleidung aus 11.000 unterschiedlichen Glasplatten, die die Schrullen des britischen Wetters reflektieren. Nicht von ungefähr nannte Architekt Renzo Piano den spontanen Entwurf der schmalen Pyramidenform „Glasscherbe“.

Die Baugeschichte zieht sich indes über etliche holprige Etappen. 1998 wagte sich der britische Immobilienzampano Irvine Sellar über das Riesenprojekt, dazwischen lagen Wirtschaftskrisen und die erneute Suche nach einem Investor. Nachdem die Credit Suisse vom Projekt abließ, sprang die Nationalbank QNB von Katar ein. Nicht bei allen Londoner Locals stieß das aufsehenerregende Glasscherben-Wahrzeichen auf Begeisterung, doch Proteste verhinderten den Bau nicht. Er sei keine Schönheit, ätzte der „Spiegel“, als Idee sei so ein Repräsentations-Tower ein überholtes Modell aus dem 2000er-Jahr.

Vertikale Stadt

2009 begannen die Bauarbeiten im London Bridge Quarter. Derzeit sind an die 1300 Arbeiter rund um die Uhr auf der Baustelle beschäftigt. Sichtbar nähert sich „The Shard“ dem Finale: Vor Kurzem wurden der Glasscherbe 800 Stahlteile aufgesetzt, wofür der höchste Kran Großbritanniens im Einsatz war. Zusammengesetzt muss die 500 Tonnen schwere Spitze erst werden. Direkt darunter werden sich auf vier Etagen die öffentlich zugänglichen Areale befinden.

Ein Teil der Flächen dieser „vertical city“ ist bereits vergeben. Die Stockwerke 34 bis 52 wird das Hotel der asiatischen Luxushotelkette Shangri-La beziehen, von 195Hotelzimmern ist die Rede. Verteilt über die Etagen 31 bis 33 sollen sich mehrere Gourmet-Restaurants einrichten. Die Luxusapartments auf den Etagen 53 bis 65 sind stark nachgefragt. Nicht so stark noch die Büroflächen, die für über 12.000 Businessmenschen von Etage zwei bis 28 Platz bieten. Auf einen Mieter wie die Londoner Verkehrsbetriebe meinte Sellar verzichten zu können – sie wollten zu wenig für den Quadratmeter zahlen. Die Zeit wird knapp, soll „The Shard“ pünktlich zu den Olympischen Spielen und zum diamantenen Thronjubiläum der Queen zumindest mit den Glasplatten verkleidet sein. Ewig wird auch der Höhenrekord nicht halten: 2016 soll in Paris der „Hermitage Plaza“ mit 320 Metern stehen. Ganze zehn Meter Unterschied.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.the-shard.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2012)

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