Schnellauswahl

Pharaonisches Intrigenspiel

Ägyptens Wahlkommission mischt die Karten für die Präsidentenwahl völlig neu.

Für das, was sich in der schmutzigen Schlacht um die Mubarak-Nachfolge am Wochenende abgespielt hat, gibt es bei US-Wahlen den treffenden Ausdruck „game changer“. Eine spektakuläre Wende, die die Karten völlig neu mischt. An Wendepunkten und Volten fehlte es schon bisher nicht: Erst sagte Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei frustriert ab, dann schickten die Muslimbrüder, gegen alle Versprechungen, nicht anzutreten, gleich zwei Kandidaten ins Rennen. Wenn schon die Leute belügen, dann gleich ordentlich. Schließlich gefiel es Ex-Geheimdienstchef Omar Suleiman im letzten Abdruck, seinem Appetit auf den Pharaonenthron, den er so lange mit seinen Folterknechten beschützt hatte, nachzugeben.


Disqualifizierungen sind den Ägyptern als Foul des Mubarak-Regimes wohlbekannt. Das massive Eingreifen der Wahlkommission im Nachfassen – warum wurden die Kandidaten eigentlich zunächst zugelassen? – erinnert weniger an eine sich entwickelnde Demokratie als an den Iran, wo dieses Mittel zur Meisterschaft entwickelt wurde. Der Fall Suleiman ist noch der einfachste: Dass führende Vertreter einer Diktatur von Wahlen ausgeschlossen sind, ist einsichtig – dass das betreffende Gesetz aber noch gar nicht in Kraft ist, weniger.

Wie so oft im postrevolutionären Ägypten wird es auch über diesen Paukenschlag bald viele Verschwörungstheorien und wenige gesicherte Fakten geben. Klar ist nur: Der Pharao mag weg sein, aber das Intrigenspiel, auf das man sich am Nil seit Jahrtausenden versteht, ist in vollem Gang.


helmar.dumbs@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2012)