Ein Verzicht Österreichs auf Atomstrom ist ja nett. Große Auswirkungen auf Europas Energiesystem hat er nicht.
Österreich wird atomstromfrei“, jubilierten die Umweltschützer in Anspielung an den berühmten Satz von Leopold Figl. Und wahrlich. Beim dritten Atomstromgipfel im Bundeskanzleramt haben sie sich durchgesetzt. Bei diesem im Vorjahr von Kanzler Werner Faymann (SPÖ) mit viel Pomp einberufenen staatstragenden Gremium wurde beschlossen, dass künftig nur noch Strom mit Herkunftsnachweis importiert werden darf. Gleichzeitig verpflichten sich die Energieversorger selbst, keinen Atomstrom mehr zu importieren.
Bei der durchgängig atomkraftkritischen Bevölkerung und der „Krone“ wird das Ergebnis gut ankommen. Und dank der Selbstverpflichtung der Energieversorger dürfte es auch mit Brüssel keine Probleme geben. Für die Politik also ebenfalls ein (PR-)Erfolg auf der ganzen Linie.
Viel mehr dürfte schlussendlich aber nicht übrig bleiben. Denn in der Praxis bedeutet die Regelung, dass für importierten Strom Nachweise gekauft werden, wonach dieser etwa aus Kohlekraftwerken stammt. Diese Nachweise sind fast gratis, da sie kaum jemand braucht. Am europäischen Energiesystem ändert sich dadurch gar nichts. Und eine Antwort auf die komplizierte Frage, wie Staaten, die nicht so sehr mit Wasserkraft gesegnet sind, ihren Strom CO2-frei und ohne AKW erzeugen sollen, gibt sie schon gar nicht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2012)