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Wallner: „Es gibt schon genug arbeitslose Fußballer“

(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Kerstin Kummer)
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Wandervogel Roman Wallner soll Viertligist RasenBallsport Leipzig mit seinen Toren aus der Regionalliga schießen. Er spricht über Angst vor der Arbeitslosigkeit, Versäumnisse einer Karriere und Verträge.

Die Presse: Wissen Sie eigentlich, bei wie vielen Klubs Sie schon unter Vertrag standen?

Roman Wallner: 14, vielleicht 15?

Es sind zwölf.

Mit Schottland? Haben Sie alle dazugezählt? Na ja, es wird schon stimmen.

Warum sind Sie nie richtig sesshaft geworden?

Einmal war ich schuld, einmal jemand anders. Aber: Ich habe sehr viele Menschen und verschiedene Kulturen kennengelernt, Erfahrungen gemacht. Darum geht's doch auch im Leben. Ich empfinde es nicht als Nachteil, so viele Klubs auf der Visitenkarte zu haben.

 

Vereinstreue gerät im modernen Fußball immer mehr ins Abseits. Warum?

Wenn du bei deinem Verein nicht spielst, musst du dich nach Alternativen umsehen, sonst bleibst du nicht im Geschäft. Es wäre doch dumm, über die Vertragslaufzeit von drei Jahren bei einem Verein zu bleiben, wenn man auf der Bank oder der Tribüne sitzt. Dann kommst du nirgends mehr unter. Es gibt schon genug arbeitslose Fußballer. Sogar sehr gute.

 

Hatten Sie schon einmal Angst vor der Arbeitslosigkeit?

Ich war schon in Situationen, in denen ich knapp dran war, ohne Verein dazustehen. Aber Angst? Das nicht, weil ich für mich gewusst habe, dass sich alles zum Guten wendet, wenn ich hart an mir arbeite. Aber zu glauben, man ist gut genug, um immer irgendwo unterzukommen, wäre vermessen.

 

Gab es Stationen, die Sie lieber heute als morgen verlassen wollten?

Eigentlich nicht, weil es mir privat überall sehr gut gefallen hat. Ich hatte immer das Glück, in schönen Städten zu leben. Denn wenn es sportlich schlecht läuft und es scheiße zu leben ist, macht das die Situation nicht einfacher.

 

Wenn man mit 17 Jahren in der Champions League debütiert, trauert man da nicht der ganz großen Karriere nach?

Das wäre falsch. Ich glaube nicht, dass ich etwas verpasst habe. Vielleicht wäre in gewissen Situationen mehr möglich gewesen. Andererseits hätte ich mich schwer verletzten können und es nicht einmal bis hierher geschafft.

 

In Leipzig stehen Sie bis 2014 unter Vertrag. Haben Sie vor, dort Ihre Karriere zu beenden?

Möglich, dass ich noch viele Jahre hier bin. Es kann morgen aber auch alles vorbei sein.

 

Wie meinen Sie das?

Ich habe eine interessante Aussage von einem Trainer gelesen: „Wenn du bei einem Verein einen Vertrag unterschreibst, unterschreibst du gleichzeitig die Kündigung.“ Da ist etwas Wahres dran.

 

Salzburg muss Meister werden, Leipzig den Aufstieg in die dritte Liga schaffen. Wo herrscht der größere Druck?

In Leipzig! Wenn man in Salzburg nicht Meister wird, probiert man es eben nächstes Jahr wieder. In Deutschland wird in der kommenden Saison die Liga reformiert. Als Meister steigst du nicht fix auf, sondern spielst Relegation. Es wird also noch schwieriger. Wir täten gut daran, noch diese Saison die Regionalliga hinter uns zu lassen.

 

Fünf Runden vor Schluss fehlt Leipzig bei einem Spiel mehr ein Punkt auf Tabellenführer Halle. Warum tut man sich so schwer?

Die Situation ist mit jener in Salzburg vergleichbar, wenn der Gegner Mattersburg oder Kapfenberg heißt. Die Mannschaften stehen tief, lassen uns wenig Räume. Da ist es schwierig, zu glänzen.

 

Hatten Sie eigentlich sprachliche Barrieren zu überwinden?

Ich weniger, eher die Deutschen im Gespräch mit mir. Die „Haubn“ ist bei ihnen halt die „Mütze“.

 

Aber sonst gefällt es Ihnen in Leipzig?

Anpassungsprobleme gab es keine. Ich bin ja schon ein bisschen herumgekommen. (lacht)

Zur Person

Roman Wallner (*4. Februar 1982) begann seine Karriere bei Sturm Graz. Nach fünf Saisonen bei Rapid wechselte Wallner in die deutsche Bundesliga zu Hannover, wo er sich nicht durchsetzen konnte. Weitere Stationen waren Admira, Austria, Falkirk, Hamilton, Kalamarias, Xanthi, Lask und Salzburg. Seit Jänner spielt der Angreifer bei RasenBallsport Leipzig, traf dort in bisher elf Spielen der viertklassigen Regionalliga Nord fünf Mal. [Reuters]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2012)