Sollte Hollande in der ersten Runde tatsächlich vorne sein, wäre dies eine "negative" Premiere für den regierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy.
Jüngsten Meinungsumfragen zufolge wird der sozialistische französische Präsidentschaftskandidat Francois Hollande (PS) bereits im ersten Wahldurchgang am kommenden Sonntag vor dem amtierenden konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy (UMP) die Führung übernehmen. Sollte sich diese Prognose verwirklichen, so wäre dies eine Premiere. Selbst Valery Giscard d'Estaing, der als erster Präsident der Fünften Republik nach einer Amtszeit ausschied, lag 1981 in den Umfragen noch weit in Führung vor dem letztendlich siegreichen Sozialisten Francois Mitterrand (1981-1995).
Alle anderen Kandidaten liegen in den Umfragen weit hinter den beiden Favoriten. Die einzigen Ungewissheiten sind einerseits, ob Sarkozy oder Hollande im ersten Durchgang in Führung liegen (beide erhalten laut Umfragen knapp 30 Prozent der Stimmen), und andererseits ob der Linksaußen Jean-Luc Melenchon von der "Linksfront" aus Kommunisten (PCF) und Linkspartei (PG) oder die Rechtsaußen Marine Le Pen von der "Front National" (FN) den dritten Rang belegen. An vierter Stelle wird sich voraussichtlich der zentrumsbürgerliche Chef der "Mouvement Democrate" (MoDem), Francois Bayrou, befinden.
IFOP-Vizedirektor Frederic Dabi betonte allerdings, dass rund 20 Prozent der Befragten erklärten, dass sie sich erst in letzter Minute für den einen oder den anderen Kandidaten entscheiden werden.
Wahlergebnisse vor "Wahlschluss"?
Eine Debatte hat unterdessen auch der Umstand ausgelöst, dass gewisse ausländische Medien und soziale Netzwerke im Internet angekündigt haben, dass sie die ersten Ergebnisse bereits vor der Schließung der letzten Wahlbüros um 20 Uhr in Paris veröffentlichen wollen. Dies hält eine Mehrheit von 64 Prozent der Franzosen laut einer Harris-Umfrage für eine "schlechte Sache". 56 Prozent sind der Ansicht, die Veröffentlichung könne jene Bürger beeinflussen, die noch nicht gewählt haben.
Der französischsprachige belgische Rundfunk RTBF kündigte bereits an, dass schon um 18 Uhr die ersten Exit-Polls zu den französischen Wahlen im Fernsehen veröffentlicht werden sollen. Im Radio werde dies bereits um 17 Uhr der Fall sein, hieß es. In Frankreich ist es gesetzlich verboten, vor 20.00 Uhr vorläufige Wahlergebnisse zu veröffentlichen.
(APA/Ag.)