Bilanz: Aufklärung, und zwar jetzt!

E
s stimmt schon: Die Bawag ist keine börsenotierte Gesellschaft sondern steht zu hundert Prozent im Eigentum des ÖGB. Sie hat zwar insgesamt (soweit bisher bekannt ist) fast 900 Millionen Euro in der Karibik versenkt, aber der einzige wirklich Geschädigte dürfte (durch entgangene Dividenden) der Eigentümer ÖGB sein. Und wenn den eine verlorene Milliarde nicht aufregt, dann ist das halt seine Sache.

Es stimmt auch: Moral ist weder eine wirtschaftliche noch eine politische Kategorie. Wenn also die zahlreichen Top-Gewerkschafter im Bawag-Aufsichtsrat (siehe Liste auf dieser Seite) vor ihren Mitgliedern heuchlerisch gegen "Heuschrecken" und Kasino-Kapitalisten wettern, um dann im Bawag-Aufsichtsrat genau solche Kasino-Geschäfte abzunicken, weil's ja Gewinn verspricht, dann ist das halt "part of the game". Das geht die Öffentlichkeit genau genommen gar nichts an.

Die Gewerkschaftsmitglieder aber schon. Und so mancher von ihnen hätte wahrscheinlich gerne Antworten auf ein paar Fragen.

Zum Beispiel auf diese: Wieso werden die personellen Verflechtungen, die hinter den grauslichen PIPE-Geschäften, dem "Parken" von Millionenverlusten in Karibik-Briefkästen, den Packeleien mit übel beleumdeten Wall-Street-Haien stehen, nicht schonungslos aufgedeckt?

O
der diese: Wieso erzählt man in der Sache Refco-Kredit so hartnäckig das Märchen vom naiven Vorstand, der sich am Wochenende von einem gefinkelten Betrüger einfach so über den Tisch ziehen hat lassen - und nimmt damit blühende Spekulationen in Kauf, was die Bawag Herrn Bennett wohl für Freundschaftsdienste geschuldet habe?

Hoffentlich keine, aber so lange die Karten nicht auf dem Tisch liegen, werden Spekulationen eben grassieren.

Da ist es nicht die klügste aller Vorgangsweisen, wenn sich der ÖGB-Präsident hinstellt und so tut, als würde "seine" Bank nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch ihn selbst nichts angehen.

Bisher hat es halbwegs funktioniert. Aber die politische Bombe tickt. Und für den Finanzplatz ist eine Bank, deren Vorstände alle paar Monate zum Rapport bei der Finanzmarktaufsicht erscheinen müssen, auch nicht gerade ein Renommee. Deshalb: Aufklärung, und zwar jetzt!

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