Dr.-Karl-Lueger-Ring: Immer wieder Umbenennungen

Politische Verhältnisse sorgten wiederholt für Neubezeichnungen des Straßenabschnitts.

Die angekündigte Umbenennung des Wiener Dr.-Karl-Lueger-Rings in "Universitätsring" ist nicht die erste Namensänderung für den betreffenden Straßenabschnitt: Der circa 620 Meter lange Abschnitt zwischen Burgtheater und Schottengasse trug im Laufe der Jahrhunderte bereits mehrere Namen.

Der Ring war nicht immer eine repräsentative Prachtstraße: Im Mittelalter verlief in diesem Bereich die Grenze zwischen Wien und den Vorstädten. Später befanden sich dort die Befestigungsanlagen. Ende 1857 wurde deren Schleifung beschlossen. Das Gebiet war somit frei für den späteren Bau der Ringstraße.

Ursprüngliche Bezeichnung: Franzensring

Der Abschnitt zwischen Bellariastraße und Schottengasse wurde 1870 eröffnet und hieß zunächst Franzensring. Nach dem Ende der Monarchie wurde er 1919 in Ring des 12. November umbenannt, um an den Tag der Ausrufung der Republik zu erinnern. Als sich die politischen Verhältnisse in Österreich erneut änderten, wurde 1934 - in der Zeit des Ständestaates - die Straße in zwei Abschnitte geteilt.

Der Bereich zwischen Stadiongasse und Schottengasse heißt seitdem Dr.-Karl-Lueger-Ring. Diese Bezeichnung soll bis heute an den früheren, nicht zuletzt wegen seiner antisemitischen Politstrategie umstrittenen Wiener Bürgermeister Karl Lueger (1844-1910) erinnern. Der andere Abschnitt - zwischen Bellariastraße und Stadiongasse - hieß zunächst nach dem früheren Bundeskanzler Dr.-Ignaz-Seipel-Ring. Auch hier folgten weitere Bezeichnungsänderungen. Seit 1956 trägt der Bereich schließlich den Namen Dr.-Karl-Renner-Ring.

(APA)

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