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Sanader-Prozess: Hypo-Chef Kulterer übergab Geldkoffer

Bei dem Empfänger, einem mysteriösen Lobbyisten, soll es sich laut Anklage um den späteren Premier Ivo Sanader handeln.

Zagreb/Apa. Die Geldübergabe fand Mitte der 90er-Jahre in Tranchen statt, mehrmals in Klagenfurt, einmal in Graz. Und immer dabei laut Protokoll der Kärntner Hypo Bank: deren Ex-Vorstand Wolfgang Kulterer. Das Geld sei eine Provision gewesen, der Empfänger ein kroatischer Lobbyist namens Eugen Laxa, wie Kulterer am Donnerstag im Prozess gegen den ehemaligen kroatischen Premier Ivo Sanader in Zagreb aussagte.

Doch wer war dieser mysteriöse Laxa? Die Anklage ist überzeugt, dass es sich um niemand anderen handelt als Sanader. Die Hypo hatte dem kroatischen Außenministerium 1994 und 1995 einen Kredit über 140 Millionen Schilling gewährt, um den Aufbau von Auslandsvertretungen zu finanzieren. Kroatien befand sich damals noch im Krieg.

Sanader war beauftragt, die Verhandlungen von kroatischer Seite zu führen und soll laut Anklage eine Provision von umgerechnet einer halben Million Euro kassiert haben, was er bestreitet. „In diesen Breiten war es damals üblich, dass Provisionen in bar ausbezahlt wurden“, meinte Kulterer. Und bei einem Geschäft dieser Größenordnung sei es Sache des Vorstandes gewesen.

Die Anklage will beweisen, dass Sanader der Bank im Gegenzug für die Provision eine bevorzugte Position auf dem kroatischen Markt versprochen hatte. Darüber gibt es auch ein Hypo-internes Protokoll.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.04.2012)