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Berlusconi bei Ruby-Prozess: "Verfahren ist ein Skandal"

Silvio BERLUSCONI
Silvio BERLUSCONI(c) EPA (Ettore Ferrari)
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Der Ex-Premier war erstmals anwesend. Er ist wegen Amtsmissbrauch und Sex mit einer Minderjährigen angeklagt, streitet die Vorwürfe aber ab. Zeuginnen will er ebenfalls nicht bestochen haben.

Italiens Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist am Freitag zum ersten Mal bei einer Gerichtsverhandlung im sogenannten Ruby-Prozess erschienen. Berlusconi ist dabei wegen Sex mit einer Minderjährigen und wegen Amtsmissbrauchs angeklagt. Der 75-jährige verfolgte den Prozess neben seinen Rechtsanwälten. In einer Pause kritisierte der Medientycoon die Mailänder Staatsanwälte, die gegen ihn das Verfahren führen. "Der wahre Skandal ist das Geld, das der Staat für einen sinnlosen Prozess ausgibt", kommentierte Berlusconi.

Der Ex-Premier bestätigte, dass er Zeuginnen in dem gegen ihn laufenden Prozess Geld zugeschanzt habe, wie die Ermittler festgestellt hatten. "Ich erhalte diese jungen Frauen, die von den Staatsanwälten verleumdet worden sind. Sie haben keine Arbeit mehr, ihre Freunde haben sie verlassen. Ihre Eltern haben ihre Geschäfte schließen müssen. Dabei haben diese Frauen eine einzige Schuld: Bei mir an normalen Abendessen teilgenommen zu haben, nach denen es Theateraufführungen gab", berichtete Berlusconi. In einem Gespräch mit Medien versicherte der 75-Jährige, dass er in seinem Leben nie eine Frau für Sex bezahlt habe. "Ich habe nie eine Frau bezahlt, die Staatsanwälte können so viel ermitteln wie sie vollen."

Aussagen einiger Zeuginnen, nach denen junge Frauen auf einem Berlusconi-Fest als Nonnen verkleidet einen Striptease hinlegten und vor dem Medienzaren tanzten, dementierte der Ex-Premier nicht. "Es handelte sich um Burlesque-Wettbewerbe", versicherte Berlusconi.

Machte der Premier Druck auf Polizei?

Vor dem Gericht in Mailand wurden zwei Polizisten vernommen, die in der Nacht vom 27. auf den 28. Mai 2010 mit Berlusconi, der zu dem Zeitpunkt noch als Premier im Amt war, telefoniert hatten. Berlusconi hatte Druck für die Freilassung der damals noch minderjährigen Karima al-Marough alias Ruby gemacht. Die junge Frau, die an ausschweifenden Partys in Berlusconis Villa teilgenommen und von ihm Geld erhalten haben soll, war wegen Diebstahls festgenommen worden.

Berlusconi erklärte am Freitag, er sei fest davon überzeugt gewesen, dass Ruby eine Verwandte des damaligen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak sei. "Sie tat mir leid. Sie hatte mir über ihr dramatisches Leben berichtet, dass sie von ihrer Familie verjagt worden war, weil sie zum Katholizismus übergetreten war. Die Geschichte, die sie mir erzählt hatte, war absolut rührend. Als ich dann erfahren habe, dass sie Marokkanerin und nicht Ägypterin ist, habe ich von ihr nichts mehr wissen wollen", berichtete der Ex-Premier.

Der Prozess gegen Berlusconi läuft seit April 2011. Im Falle einer Verurteilung droht dem Mailänder TV-König eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren. Mehr als 200 teils prominente Zeugen sollen noch vor Gericht geladen werden, darunter US-Filmstar George Clooney, die italienische Schauspielerin Elisabetta Canalis und Real Madrids Fußballstar Cristiano Ronaldo. Bisher war Berlusconi im Ruby-Prozess noch nie vor Gericht erschienen.

Ermittlungen auch wegen Erpressungsfall

Vom Erpressungsopfer zum Täter: Gegen Berlusconi haben auch die Staatsanwälte in der süditalienischen Stadt Bari eine neue Untersuchung in Zusammenhang mit dem Skandal um Callgirls aufgenommen. Bisher galt Berlusconi als Opfer einer Erpressung seitens des skandalumwitterten Unternehmers Giampaolo Tarantini. Dieser wird beschuldigt, vom bis vergangenen November amtierenden Premier 850.000 Euro für sein Schweigen über die Beziehungen zu Callgirls, die Tarantini dem Medientycoon für seine ausschweifende Partys vermittelt haben soll, erpresst zu haben.

Die Staatsanwälte vermuten jedoch, dass der Ex-Premier Tarantini mit dem Geld zu Falschaussagen vor der Justiz bewogen habe, um die Ermittlungen in die Irre zu führen, berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Donnerstag. Die Ermittler gehen davon aus, dass sich Tarantini mit der Vermittlung attraktiver Frauen politische Begünstigungen für seine Geschäfte im Gesundheitsbereich sichern wollte. Der Unternehmer war Inhaber einer Gesellschaft, die auf Dienstleistungen im Gesundheitswesen spezialisiert ist.

Am Montag war der italienische Journalist Valter Lavitola verhaftet worden, der in den Skandal involviert sein soll. Lavitola, Ex-Chefredakteur der Tageszeitung "L'Avanti", wurde auf dem römischen Flughafen Fiumicino festgenommen, nachdem er sich nach einer mehrmonatigen Flucht im Ausland zur Rückkehr nach Italien entschlossen hatte. Er wird verdächtigt, gemeinsam mit Tarantini Berlusconi erpresst zu haben.