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90 Jahre Zuckerltante: Mit Pralinen und Brause gegen die Ketten

Im 20.Bezirk führt Monika Erhart eines der letzten Süßwarenfachgeschäfte Wiens. In den Laden kommt fast ausschließlich Stammkundschaft. Der Umsatz bleibt dennoch seit Jahren konstant.

Ostern, Krampus, Weihnachten, Silvester: Das sind die Tage, an denen sich Monika Erharts Süßwarenladen füllt. Zur Zeit ist Nachsaison, die letzten Osterhasen sind verkauft, Restbestände aber keine in Sicht. „Irgendwann hast du's im Gefühl, welche Mengen du bestellen musst“, sagt die zierliche blonde Frau, die angeblich selbst Mengen an Schokolade verdrückt.

Ihre Kunden kommen gezielt, um Pralinen zu kaufen oder Tortenbelag für einen Kindergeburtstag. Passanten verirren sich kaum in das Geschäft mit der rosa Fassade, das inmitten von Ein-Euro-Läden, Wettbüros und Imbissstuben im 20.Bezirk liegt. 70 Prozent sind Stammkunden. Bei ihnen kann die Zuckerltante – wie das Geschäft, das Erharts Urgroßmutter Marie Györgyfalvay 1922 gegründet hat, heute noch heißt – mit frischen Pralinen punkten. Denn „der Markt ist übersättigt“. Die mit Schokolade überzogenen Herzen und Rechtecke, mal mit einem Notenschlüssel, mal mit Walnuss- oder Orangen-Stückchen verziert, werden von einem oberösterreichischen Zuckerbäcker gefertigt.

Das Trüffelangebot füllt eine ganze Vitrine, am häufigsten wandern Marzipan- und Nougatsorten über den Tresen. Für die jungen Kunden gibt es einen eigenen Raum, der unzählige Glasbehälter voll mit Gummiware, Brause-Ufos und Kaugummi birgt. Das Konzept geht auf: Der Umsatz halte sich seit Jahren konstant, sagt Erhart. Wachsende Umsätze seien aber nicht drin. Im Herbst gibt es eine große Party – dann begeht die Zuckerltante ihr 90-jähriges Jubiläum.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.04.2012)