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Putin lässt Bürgern Aktien abkaufen

Putin laesst Buergern Aktien
(c) EPA (ALEXEY DRUZHINYN /RIA NOVOSTI /)
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Wladimir Putin rettete in den vergangenen Jahren nicht nur Oligarchen vor dem Bankrott. Er holt auch einfache Bürger aus der Misere, die sich an die Börse getraut haben.

Moskau. Aktienrückkäufe durch Firmen sind keine ungewöhnliche Erscheinung. Einmal werden sie getätigt, um eine feindliche Übernahme abzuwehren, ein andermal, um den Kurs der Papiere zu stützen. Dass aber ein Unternehmen Geld in die Hand nimmt, um seinen Aktionären die Verluste an der Börse auszugleichen und ihnen so das Risiko abnimmt, ist dann doch ein ungewöhnlicher Schritt.

Russlands zweitgrößte und staatliche Bank Vneshtorgbank (VTB) hat dieser Tage genau das getan. Wie das Geldinstitut, das übrigens seine Zentrale für Westeuropa in Wien aufgeschlagen hat, bekannt gab, kauft es 74.300 Aktionäre für 11,4 Mrd. Rubel (295 Mio. Euro) aus. Das sind 65 Prozent der nicht institutionellen Investoren, die sich zum Zeitpunkt des Börsenganges 2007 in die Bank eingekauft hatten. Damals kostete eine Aktie 0,136 Rubel. Im Zuge der Finanzkrise stürzte sie auf unter 0,03 Rubel ab und ist heute weniger als halb so viel wert wie 2007. Auf Anweisung von Premier Wladimir Putin bot die Bank ihren Privatinvestoren daher vor zwei Monaten an, Aktienpakete im Wert von maximal 500.000 Rubel pro Person zum Ausgabepreis zurückzukaufen. Institutionelle Investoren waren ausgeschlossen.

 

Putin riet Bürgern zu Aktien

Die Aktion wirft ein erhellendes Licht auf Russlands Börse und Wirtschaft insgesamt. Dass es 2007 zu den großflächigen Aktienkäufen durch einfache Bürger gekommen war, hatte nicht mit deren Börsenerfahrung zu tun. Im Gegenteil: Wegen des jungen postsowjetischen Finanzmarktes und der zahlreichen Geldentwertungen musste das Volk im vergangenen Jahrzehnt selbst zu Spareinlagen erst sukzessive Vertrauen aufbauen. Riskantere Finanzinstrumente zieht bis heute weniger als ein Prozent der Bevölkerung in Betracht, zumal das Image der russischen Börse wegen vielfachen Insiderhandels angepatzt ist. Das hinderte die russische Führung und Putin selbst nicht daran, der Bevölkerung den Kauf der VTB-Aktien ans Herz zu legen. VTB-Chef Andrej Kostin hatte damals sogar versprochen, dass der Staat keinen Kursverlust zulassen würde.

Fünf Jahre später und knapp einen Monat vor den Präsidentenwahlen Anfang März verteilte ein zwischenzeitlich politisch geschwächter Putin Wahlgeschenke in Form neuer Budgetausgaben. Nun hat er sich mit der Anweisung des Aktienrückkaufs auch von seiner damaligen Kaufempfehlung reingewaschen. Dass ein Drittel der Aktionäre das Angebot ablehnte, habe vor allem damit zu tun, dass die Aktion im Unterschied zu jener im Jahr 2007 nur gering beworben worden sei, sagt Jekaterina Kondraschowa, Analystin bei „Investkafe“. Daher werde auch die Kernkapitalquote 2012 nur mit 0,1 Prozent belastet, vermuten Analysten.

 

VTB musste Bank übernehmen

Die Rückkaufaktion würde die Attraktivität der Bank nur steigern, sagte Premier Putin dieser Tage: Es zeige, dass die Bank ihre Minderheitsaktionäre in einer schwierigen Situation nicht im Stich lasse.

Die VTB handelt nicht zum ersten Mal auf Zuruf der Staatsführung. Im Vorjahr musste sie die strauchelnde Bank of Moscow, immerhin Russlands Nummer fünf, übernehmen. Während des Wahlkampfes wurde sie dazu angehalten, den bankrottreifen Reiseveranstalter Lanta-Tour mit Krediten zu versorgen. In den ersten neun Monaten des Vorjahres hat VTB 1,86 Mrd. Euro Gewinn erzielt.

Auf einen Blick

Auf Zuruf des russischen PremiersWladimir Putin muss die Staatsbank Vneshtorgbank (VTB) 74.300 Aktionären für 11,4 Mrd. Rubel ihre stark gefallenen Aktien abkaufen. 2007 riet Putin unerfahrenen Anlegern zum Kauf der Papiere. Dann stürzten sie ins Bodenlose. Ein Drittel der Privatanleger lehnte das Rückkaufangebot ab. Institutionelle Investoren sind ausgeschlossen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2012)