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"Marokkaner-Diebe": Schüleraustausch abgesagt

MarokkanerDiebe Schueleraustausch abgesagt
(c) APA/ROBERT PARIGGER (ROBERT PARIGGER)
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Ein digitales Schüleraustauschprojekt fällt einem Slogan der FPÖ zum Opfer. Man will keinen Austausch mit einem Land, in dem Marokkaner als Verbrecher dargestellt werden.

Innsbruck. Bis vor Kurzem stand der Container mit 100 Computern in einem marokkanischen Hafen. Auf den Weg geschickt hatte ihn die „Initiative Zukunftsenergie“, eine NGO aus Tirol, die sich für nachhaltige Entwicklung einsetzt. Zielort des Inhalts: Schulen und Jugendzentren in Casablanca. Doch dort werden die 100 Computer, die von österreichischen Universitäten, Firmen und Schulen ausrangiert und gespendet wurden, niemals ihren Zweck erfüllen. Denn: Das digitale Austauschprojekt zwischen marokkanischen und Tiroler Schülern, für das die Computer eigentlich gedacht waren, wurde von der marokkanischen Schulleitung kurzerhand abgesagt.

Begründung: Man wolle keinen Schüleraustausch „mit einem Land, in dem es eine Partei gibt, die keine Marokkaner mag“ und diese obendrein als „Verbrecher“ darstellt. Damit bezieht sich der marokkanische Schulleiter auf jenes FPÖ-Plakat, das die österreichisch-marokkanischen Beziehungen zuletzt strapaziert und der FPÖ eine Anzeige wegen Verhetzung eingebracht hat. „Heimatliebe statt Marokkaner-Diebe“ war darauf zu lesen.

 

Verein bleibt auf Kosten sitzen

Das Austauschprojekt hätte vorgesehen, mithilfe einer speziellen Datenbank eine Social Community für die am Austausch teilnehmenden Schüler aufzubauen. Diese hätte dann zum Wissensaustausch über Projekte im Bereich der nachhaltigen Entwicklung dienen sollen. Über Werbeeinschaltungen und Beteiligung von Firmen an der Datenbank wollte man das Geld, das im Vorfeld für den Transport der Computer ausgegeben und von den Mitgliedern des Vereins aus privaten Mitteln vorgestreckt wurde, wieder einnehmen. Durch die aktuellen Entwicklungen wird es weder Austausch noch Datenbank geben – so bleiben die Vereinsmitglieder auf den Kosten sitzen. „Das Ende“ für den Verein, wie Sprecher Erwin Wimmer meint.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2012)