Semmering-Basistunnel
Mit 230 km/h durch den Berg
Spatenstich für das ÖBB-Schlüsselprojekt nach mehr als 30 Jahren Widerstand. Bis 2024 wird an dem 27,3 Kilometer langen Eisenbahntunnel gebaut. Kostenpunkt: 3,1 Milliarden Euro.
Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt er die heimische Politik. Anfang der 1980er-Jahre haben bei den ÖBB die ersten Planungen für einen Bahntunnel unter dem Semmering begonnen. Mehrfach ist das Projekt - vor allem von niederösterreichischer Seite - bereits politisch totgesagt worden.
(c) APA (HEINZ WEEBER)
Nun erfolgte der Spatenstich für den 27,3 Kilometer langen Eisenbahntunnel. Mit diesem Projekt werde an der Zukunft gebaut, so Verkehrsministerin Doris Buress (S). Die neue Südbahn, Teil des transeuropäischen Verkehrsnetzes, wird die Fahrzeit Wien - Graz um ein Drittel verkürzen.
(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
Der steirische Landeshauptmann Franz Voves (S) betonte die Bedeutung einer leistungsfähigen Südbahn für den exportorientierten Wirtschaftsstandort Steiermark. Die Verbesserung der Erreichbarkeit werde 15,5 Mrd. Euro zusätzliche Wertschöpfung und 15.000 Arbeitsplätze bringen.Der einzige Protest gegen das Großprojekt beimSpatenstich: Der Mann links schummelte sich mit dem Plakat: "Der Berg sagt Nein" aufs offizielle Gruppenfoto.
(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
Für die ÖBB ist es "ein wesentliches Schlüsselprojekt für die neue Südbahn als zentrale Achse auf der transeuropäischen Route von der Ostsee an die Adria". Die Kosten für den zweiröhrigen Eisenbahntunnel (im Bild der Sondierungsstollen) werden mit 3,1 Milliarden Euro beziffert.
(c) APA (ROBERT JAEGER)
Die bestehende Strecke über den Semmeringpass, zwischen 1848 und 1853 von Carl Ghega unter gewaltigem Material- und Personalaufwand – rund 1000 Arbeiter kamen bei den Arbeiten zu Tode – aus dem Fels gesprengt, ist den Anforderungen des modernen Bahnverkehrs nicht mehr gewachsen.
(c) APA (OEBB)
Über 16 Viadukte und durch 15 Tunnels schlängelt sich die Ghegabahn die 41 Kilometer zwischen Gloggnitz und Mürzzuschlag. Die Strecke zwingt Züge zu niedrigen Geschwindigkeiten. Für Doppelstockwaggons sind die Tunnels zu niederig.
(c) Dapd (Ronald Zak)
Sogar der bei anderen Tunnelprojekten wie jenen unter dem Brenner oder der Koralm äußerst kritische Verkehrsexperte Sebastian Kummer von der Wiener WU gesteht diesem Tunnelprojekt „einen gewissen Sinn“ zu.
(c) AP (RAIMUND WRANA)
2024 sollen die ersten Züge durch den Semmering-Basistunnel fahren. Dann sind Geschwindigkeiten von bis zu 230 km/h möglich. Der Bau der eigentlichen Tunnelröhren (im Bild der Sondierungsstollen) ist ab 2014 geplant.
(c) APA (ROBERT JAEGER)
Bereits Mitte der 1990er-Jahre wurde mit dem Vorarbeiten für den Semmering-Basistunnel begonnen. Sowohl der damalige Infrastrukturminister Viktor Klima (SPÖ) als auch die steirische Landeshauptfrau Waltraut Klasnic (ÖVP) zeigten sich überzeugt, die Steiermark ein Stück näher an Wien gerückt zu haben. Sie hatten nicht mit dem Widerstand von niederösterreichischer Seite gerechnet.
(c) AP (GERHARD GRADWOHL)
Vor allem Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll hatte das erste Projekt eines Semmering-Bahntunnels zunächst bekämpft, dann jahrelang verzögert und zuletzt zu Fall gebracht. Eine 2006 begonnene Überarbeitung der Pläne brachte im Vorjahr schließlich grünes Licht sämtlicher Behörden.
(c) Dapd (Ronald Zak)
Der Verein „Alliance for Nature“ hat sich dem Erhalt der alten Ghegabahn verschrieben und bekämpft den Tunnelbau bis heute. Vor allem argumentieren die Frontmänner der „Alliance“, Landschaftsökologe Christian Schuhböck und Geologe Josef Lueger, mit dem Wasserhaushalt der Semmeringregion, der durch einen Tunnel gefährdet sei.
(c) Dapd (Ronald Zak)
1998, dem Jahr, in dem die alte Bahnstrecke Unesco-Welterbe wurde, setzte es einen negativen Naturschutzbescheid – den der Verfassungsgerichtshof aufhob, woraufhin das Land einfach einen neuen Bescheid erließ: ebenfalls negativ.
(c) APA (ROBERT JAEGER)
2007 wurde das Projekt wiederbelebt. Die ÖBB entwickelte eine neue Trasse. Diese so genannte „Trasse Pfaffensattel“ ist etwa fünf Kilometer länger als jene des 1994er-Projekts. Das Land Niederösterreich ist nun mit von der Partie: Die nötigen UVP- und Naturschutzbescheide lägen vor, die Ghegabahn soll weiter betrieben werden.
(c) APA (J�GER Robert)
Die ÖBB haben bereits begonnen, Häuser im Baustellenbereich einzulösen und abzureißen. Auch wenn noch einige Teilverfahren anhängig sind, den Feierlichkeiten rund um den Spatenstich am Mittwoch steht nichts mehr im Weg.
(c) Dapd (Ronald Zak)