Die Marktzinsen sind im Keller, doch einige Banken locken Anleger mit speziellen Anleihen und relativ hohen Zinsen. Lohnt sich das für die Kunden?
Wien/Ker. Mit den Zinsen geht es derzeit bergab. Viel fehlt nicht mehr, und das Zinsniveau erreicht den historischen Tiefstand vom April 2010. Der wichtige europäische Zinssatz Euribor (drei Monate), an dem sich oft Kredit- und Sparzinsen orientieren, liegt derzeit unter 0,8 Prozent.
Das ist einerseits gut für die Kreditnehmer. Die Zinsbelastung von Krediten mit variabler Verzinsung ist derzeit gering. Für die Sparer und Anleger schaut es dagegen nicht so gut aus. Die bekommen für ihr Geld weniger Zinsen. Einige Banken versuchen aber, die Kunden mit attraktiven Angeboten zu locken. Steigen die Anleger dabei wirklich gut aus? „Die Presse“ nimmt einige dieser Produkte genauer unter die Lupe.
•Die Erste Bank gibt den sogenannten „Frühlingsfloater“ (ISIN: AT000B006960) heraus. Das ist eine Anleihe, die so funktioniert: Der Anleger erwirbt eine Anleihe zum Kaufkurs von im Moment 100,50. Das wäre beim Mindestvolumen von 3000 Euro ein Kaufpreis von 3015 Euro. Während der Laufzeit erhält er die Zinszahlungen dafür und in sechs Jahren bekommt er den Anleihenwert in Höhe von 3000 Euro zurück. Auf den ersten Blick schaut es mit der Verzinsung bei dieser Anleihe nicht schlecht aus. Sie verläuft zwar entsprechend dem Euribor. Das wäre derzeit ungünstig, weil der Euribor (drei Monate) sehr niedrig notiert. Aber: Es gibt bei der Erste-Anleihe eine Mindestverzinsung von 2,65 Prozent. Egal, wie niedrig die Zinsen auf dem Markt sind, die 2,65 Prozent bekommt der Anleger immer.
•Eine ähnliche Anleihe gibt es bei der Bank Austria, nämlich die „Erfolgsanleihe“ (ISIN: AT000B042478). Dort schaut es mit den Zinsen noch besser aus. Im ersten Jahr gibt es 3,75 Prozent. In den folgenden dreieinhalb Jahren gibt es einen Mindestzinssatz von jährlich 2,8 Prozent. Der Anleger wird hier also dann profitieren, wenn die Marktzinsen noch lange sehr niedrig bleiben. Schließlich gibt es bei der „Erfolgsanleihe“ einen Zinsschutz von 2,8 Prozent.
Wie schaut aber die Praxis aus? Ein Szenario: Der Anleger kauft drei Anleihen im Wert von 3000 Euro. Die Zinsen bleiben tatsächlich noch lange sehr niedrig. Der Euribor (drei Monate) steigt in den nächsten zwei Jahren nicht über ein Prozent. Danach verläuft er ein Jahr bei 1,5 Prozent, dann bei zwei Prozent. Laut „Presse“-Berechnungen würde es bei der Anleihe einen Zinsertrag von rund 250 Euro (nach Steuern und Gebühren) für den Anleger geben.
Zinseszins hilft der Anleihe
Ein Sparbuch schneidet in der Zwischenzeit aber nicht schlechter ab. Und zwar dann, wenn die 3000 Euro bei einer Direktbank wie der Porsche Bank, Vakifbank oder Denizbank auf einjährig gebundene Sparbücher gelegt werden. Die bieten Zinsen, die deutlich über den Marktzinsen liegen. Laut bankenrechner.at kann man dort mit 2,5 bis 2,6 Prozent Zinsen rechnen, teilweise gibt es Mindesteinlagesummen. Wenn der Anleger nun das Geld jedes Jahr auf ein neues einjähriges Sparbuch umschichtet, kommt er inklusive Zinseszinseffekt auch auf einen Ertrag von ebenfalls rund 250 Euro (nach Steuern).
Somit schneiden die Anleihe und das Sparbuch auf den ersten Blick gleich gut ab. Aber: Wenn der Anleger bei der Anleihe die Zinszahlungen, die er in der Zwischenzeit erhält, nicht ausgibt, sondern wiederum auf ein Sparbuch legt, erhält er nochmals dafür Zinsen. Dann schneidet die Anleihe wieder besser ab. Zu hoffen für den Anleger bleibt dann aber nur, dass die Bank Austria in der Zwischenzeit nicht pleitegeht. Im schlimmsten Fall ist dann sein Geld nämlich komplett futsch. Anleihen unterliegen im Gegensatz zu Spareinlagen nämlich dem sogenannten „Emittentenrisiko“. Beim Sparbuch sorgt dagegen die Einlagensicherung dafür, dass das Geld, zumindest bis 100.000 Euro je Bank, geschützt ist.
Hohe Zinsen nur zu Beginn
Hohe Zinssätze gibt es auch für Bausparverträge. Aber leider nur für die ersten zwölf Monate. Danach orientiert sich die Bausparverzinsung an den Marktzinsen. Es ist daher unschwer auszumachen, dass es mit der Bausparverzinsung danach rasant bergab gehen wird.
•Ein Beispiel: Bei der Raiffeisen Bausparkasse bekommen die „Bausparer“ zunächst einen fixen Zinssatz von 3,5 Prozent. Das klingt zunächst recht ordentlich. Nach den ersten zwölf Monaten schaut es aber nicht mehr so rosig aus. Die Raiffeisen Bank berechnet die Verzinsung für das jeweils folgende Jahr, indem sie vom Euribor (zwölf Monate) im November 1,3 Prozentpunkte abzieht. Das heißt: Die Bausparverzinsung liegt deutlich unter den Marktzinsen. Es gibt aber eine jährliche Mindestverzinsung von einem Prozent. Früher hat zumindest die staatliche Prämie den Bausparvertrag „aufgefettet“. Seitdem aber diese Prämie auf höchstens 18 Euro im Jahr halbiert wurde, gibt es dort nicht mehr viel zu holen. Wenn man sein Geld jedes Jahr auf ein Sparbuch mit einjähriger Bindung legt, steigt man besser aus. Vor allem, wenn man das Sparkonto bei einer der Direktbanken abschließt. Weil die Institute weniger Kosten haben, sind die Sparbuchzinsen dort im Normalfall deutlich höher als die Marktzinsen.
Was Sie beachten sollten bei... aktuellen Sparprodukten
Tipp 1
Hohe Zinsen. Derzeit gibt es einige interessante Zinsprodukte von einigen Banken. Bei einer Anleihe („Frühlingsfloater“) der Erste Bank gibt es eine Mindestverzinsung von 2,65 Prozent. Die Bank Austria bietet für ihre „Erfolgsanleihe“ für die ersten zwölf Monate 3,75 Prozent, danach gibt es auch hier eine Mindestverzinsung und zwar von 2,8 Prozent.
Tipp 2
Zinsgewinn. Beispiel „Erfolgsanleihe“: Ein Anleger kauft Anleihen im Wert von 3000 Euro. Wenn das Zinsniveau noch lange tief bleibt, macht man nach 4,5 Jahren einen Zinsgewinn von rund 250 Euro (nach Kosten und Steuern). Mit einem Sparbuch einer Direktbank würde man nach Steuern etwa den gleichen Ertrag erzielen.
Tipp 3
Laufender Ertrag. Bei der Anleihe gibt es laufende Zinszahlungen. Wenn der Anleger dieses Geld nicht konsumiert, sondern wieder anlegt (etwa auf einem Sparbuch), dann steigt er mit der Anleihe besser aus als mit dem Sparbuch. Aber nur dann, wenn die Bank Austria nicht pleitegeht. Trifft dieses „Horrorszenario“ ein, könnte er das Geld verlieren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2012)