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Machtkampf zwischen Print und Online beim „Spiegel“

Symbolbild
(c) EPA (Ulrich Perrey)
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Chefredakteur des gedruckten Nachrichtenmagazins will „Spiegel Online“ kostenpflichtig machen. Nachrichtenportal ist eines der erfolgreichsten Deutschlands und hat sich längst zur eigenständigen Marke etabliert.

Wie die Zukunft von Deutschlands größtem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ aussieht, wird derzeit heftig diskutiert. Bisher haben die Print-Redaktion und die Online-Redaktion stets gut zusammengearbeitet; glaubt man jüngsten Meldungen in deutschen Branchenblättern, hängt der Haussegen zwischen Print-Chefredakteur Georg Mascolo und Digital-Chefredakteur Matthias Müller von Blumencron derzeit aber schief. Grund dafür ist Mascolos Vorschlag, künftig Geld für „Spiegel Online“ (SpOn) zu verlangen. Das Nachrichtenportal ist mittlerweile eines der erfolgreichsten Deutschlands und hat sich längst zu einer eigenständigen Marke etabliert. Im Jahr 2011 hat „SpOn“ ein Drittel der gesamten Werberlöse erwirtschaftet. Mit einer „Spiegel“-Paywall nach Vorbild der „New York Times“ sollen die Verluste durch den Rückgang der Print-Auflage aufgefangen und die Leser wieder zurück zum Print-Titel geführt werden, so der Vorschlag des Print-Chefs, der verlagsintern auf wenig Zustimmung stößt.

Am Donnerstag hat sich auch Jakob Augstein, der Erbe des „Spiegel“-Gründers Rudolf Augstein, in die Debatte eingeschaltet. Er halte es für einen Fehler, „Spiegel Online mit einer Paywall zu belasten, nur um damit die Heftauflage vermeintlich zu stützen“. Allerdings sagt Augstein, der selbst mit anderen Erben 24 Prozent am „Spiegel“ hält, er habe von einer solchen Forderung Mascolos bisher nichts gehört.

Die Debatte im „Spiegel“ ist exemplarisch dafür, wie Print-Chefredakteure mit den schwindenden Einnahmen ihrer Produkte und dem gleichzeitig ansteigenden Erfolg des digitalen Bruders umgehen. Sie klammern sich an die Hoffnung, mit dem Ende der Gratiskultur im Netz die Bezahlprodukte am Papier länger am Leben zu erhalten. awa