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Fotoklau mit teurem Nachspiel

(c) REUTERS (THOMAS PETER)
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Urheberrecht. Viele Internetnutzer gehen mit Fotos aus dem Internet zu sorglos um. Immer öfter erreichen sie deshalb Briefe, in denen sie zu hohen Strafzahlungen aufgefordert werden.

Wien. Rechtlich gesehen ist das Internet für viele immer noch ein unsicheres Terrain. Das zeigt nicht zuletzt die Statistik des Internet-Ombudsmanns: 2011 nahm dieser 4762 Beschwerden von heimischen Internetnutzern entgegen. Das ist zwar weniger als 2010 – doch es tun sich immer wieder neue Problemzonen auf. Heuer sei etwa die Zahl der Beschwerden, die die Behörde zum Thema Urheberrechtsverstöße erreichen, in die Höhe geschossen. „Im ersten Quartal 2012 sind bereits mehr Fälle zu diesem Thema eingegangen als im gesamten letzten Jahr“, berichtet Bernhard Jungwirth vom Österreichischen Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT), das das Projekt „Internet-Ombudsmann“ koordiniert.

Knackpunkt seien jetzt nicht mehr die illegalen Musik- und Filmdownloads, die noch vor wenigen Jahren für regelrechte Abmahnwellen sorgten. Seit die damals populären Tauschbörsen aus der Mode gekommen sind, sei die Anzahl der Beschwerden deutlich zurückgegangen. Stein des Anstoßes ist heute dagegen immer wieder der widerrechtliche Gebrauch von Fotos. Vielfach manövrieren sich Internetnutzer durch den allzu sorgenfreien Umgang mit fremden Fotos nämlich ins juristische Abseits. Und das kann schnell teuer werden: „Inklusive Anwaltskosten können dann schnell zwischen 700 und 1500 Euro zu berappen sein“, sagt Anwalt Johannes Öhlböck, der sich öfter mit Urheberrechtsstreitigkeiten befasst.

Ein Beispielfall sieht so aus: Herr B. möchte eine Spielkonsole bei der Auktionsplattform eBay verkaufen. Weil seine Digitalkamera kaputt ist, sucht er sich drei professionelle Bilder im Internet zusammen und fügt sie seinem Inserat hinzu. Einige Wochen später erhält er Post von einem deutschen Anwalt: B. habe die Urheberrechte seines Mandanten, des Fotografen K., verletzt, heißt es in dem Schreiben. Gefordert werden 1200 Euro.

 

Strafe ist verhandelbar

Was sollte man in so einem Fall tun? „Am besten ist, man wendet sich so schnell wie möglich an einen Anwalt“, empfiehlt Jungwirth. Doch auch die Berater beim Internet-Ombudsmann könnten ihre Einschätzung anbieten und sagen, ob die Forderung zum Beispiel überzogen ist. Zwei Dinge sollte man auf keinen Fall tun: Anstandslos bezahlen und komplett ignorieren. Erstens schießen die Anwälte mit ihren Forderungen nämlich nicht selten weit über das Ziel hinaus. „Es gab schon Fälle, da wurden 1400 Euro verlangt, und tatsächlich wurden am Ende nur 200 Euro gezahlt“, sagt Piotr Luckos, Mitarbeiter des ÖIAT. Ungemach droht aber auch, wenn man so tut, als habe man den Brief niemals erhalten. In diesem Fall muss der Urheberrechtsverletzer selbst Jahre nach der ersten Abmahnung noch mit einem Gerichtsverfahren rechnen. Und das bedeutet hohe zusätzliche Kosten.

 

Diebstahl vermeiden

In Deutschland sind jedoch zumindest die Anwaltskosten mit 100 Euro begrenzt. Das ist auch für österreichische Internetnutzer relevant, denn die Verfahren unterliegen meist deutschem Recht. Das liegt daran, dass der Rechteinhaber vielfach im Nachbarland sitzt und die Internetseite, mit der die Urheberrechtsverletzung begangen wurde, ja auch von Deutschland aus abrufbar ist.

Am besten ist natürlich, den Verstoß gegen das Urheberrecht von vornherein zu vermeiden. „Viele denken, weil es so einfach ist, ein Foto zu kopieren, ist es auch erlaubt“, sagt Öhlböck. Dabei macht es keinen Unterschied, ob ein Foto für eine Kleinanzeige, einen Weblog oder die private Homepage verwendet wird. Gehören die Rechte einem anderen, macht man sich strafbar. Auf Nummer sicher geht, wer entweder stets eigene Bilder verwendet oder sich in Datenbanken bedient, die Fotos mit der „Creative Commons“-Lizenz anbieten. Das sind Bilder, die zumindest für private Zwecke kostenlos verwendet werden dürfen.

 

Was Sie beachten sollten bei... Fotos aus dem Internet

Tipp1

Legal bleiben. Wer Fotos aus dem Internet kopiert und diese etwa auf der privaten Homepage oder in einem Inserat veröffentlicht, kann wegen Urheberrechtsverletzung belangt werden. Am sichersten ist es, entweder eigene Bilder zu verwenden oder die notwendigen Lizenzen über spezielle Datenbanken zu kaufen.

Tipp2

Bilder suchen. Fotos mit „Creative Commons“-Lizenz können zumindest für den privaten Gebrauch kostenfrei verwendet werden. Solche findet man etwa auf der Fotoseite flickr.com. Dort muss man in der erweiterten Suche aber speziell nach solchen Bildern suchen. Auch unter search.creativecommons.org findet man solche kostenfreien Bilder.

Tipp3

Anwalt kontaktieren. Wer Post mit einer Zahlungsaufforderung erhält, sollte einen Anwalt kontaktieren. Dieser kann prüfen, ob die Forderung überhaupt berechtigt ist und ob man diese noch reduzieren kann. In vielen Fällen ist die Summe nämlich zu hoch angesetzt. Auch der Internet-Ombudsmann (ombudsmann.at) kann eine Einschätzung geben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2012)