Der Preis für Sojabohnen und Mais hat zuletzt stark zugelegt. Bei Experten nährt das die Befürchtungen, dass eine neue Nahrungsmittelkrise ausbrechen könnte.
Wien/Ag./Red. Während die Preise für Kaffee, Zucker und Baumwolle in diesem Jahr gefallen sind, hat ein anderes Nahrungsmittel wieder neue Rekordmarken erreicht. Der Preis für Sojabohnen ist in der vergangenen Woche auf den höchsten Stand seit Juli 2008 geklettert. Zum Ende der Vorwoche kostete ein Scheffel Sojabohnen (rund 27Kilogramm) kurzfristig mehr als 15 US-Dollar. Ernteausfälle in Argentinien hatten den Preis zuletzt in die Höhe getrieben.
Wie die „Financial Times“ berichtet, gehen Rohstoffhändler von einem weiteren Preisanstieg aus. Sie erwarten, dass die Marke von 16,63Dollar je Scheffel Sojabohne eingestellt wird – jener Preis, der im Sommer 2008 bezahlt werden musste.
Das jüngste Hoch an den Märkten ist unter anderem auf eine rückläufige Produktion infolge von Dürre und Ernterückgängen zurückzuführen. „Nachdem die Ernte in Südamerika bereits weit fortgeschritten ist, deuten die Berichte darauf hin, dass die durchschnittliche Sojaernte noch geringer ausfallen wird als zuvor gedacht“, teilte der Branchenverband International Grains Council mit. Für heuer wird ein Rückgang der Produktion um elf Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet.
Angesichts dieser Situation geht die Angst vor einer neuen Nahrungsmittelkrise um. Denn Soja spielt in der weltweiten Nahrungsversorgung eine tragende Rolle. Die Pflanze wird nicht nur als Tierfutter verwendet, sondern kommt auch in der Küche, etwa in Form von Salatölen, zum Einsatz.
„Hohe Nahrungsmittelpreise sind besonders für arme Länder problematisch, die einen Großteil ihrer Nahrungsmittel importieren, wie die große Mehrheit der afrikanischen Staaten“, sagt Ralf Südhoff, der Deutschland-Chef des UN World Food Programme. Weil viele Haushalte in Entwicklungsländern zwischen 60 bis 80Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben, würde sich ein Preisanstieg dramatisch auswirken, sagt Südhoff weiter.
US-Maisbestände auf Tief
Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg ist der Ansicht, dass die höheren Preise auch auf spekulative Marktteilnehmer zurückzuführen sind. Weil zuletzt immer mehr für einen Scheffel bezahlt werden musste, habe sich jedoch „ein beträchtliches Korrekturpotenzial aufgebaut“. Das bedeutet, dass die Preise auch wieder sinken könnten, auf welches Niveau ist allerdings unklar.
Im Schatten anziehender Sojapreise muss auch mehr für Mais bezahlt werden. „China schwenkt auf Mais um“, sagt Shawn McCambridge vom US-Rohstoffhändler Jefferies Bache. Die anhaltend hohe Nachfrage hatte US-Mais zu Wochenbeginn verteuert. Der Mai-Kontrakt stieg um rund ein Prozent auf 6,6Dollar je Scheffel.
An der weltgrößten Terminbörse CBOT erhöhten sich die Notierungen Ende vergangener Woche sogar um fünf Prozent. Das US-Landwirtschaftsministerium hatte mit 1,56 Mio. Tonnen den größten Verkauf von US-Mais an einem einzigen Tag seit dem Jahr 1991 bekannt gegeben. Händler gehen davon aus, dass ein Großteil der Bestellungen aus China kam. Das Reich der Mitte hatte in den vergangenen Monaten bereits mehr Mais in den Vereinigten Staaten gekauft als erwartet. Die Maisbestände der USA befinden sich derzeit auf einem 16-Jahres-Tief.
Für das kommende Jahr (Saison 2012/13) wird ein Anstieg des weltweiten Maiskonsums auf über 890 Mio. Tonnen erwartet. 2008/2009 ist der Konsum noch bei knapp über 780Mio. Tonnen gelegen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.05.2012)