"Tomboy": Das Leben der anderen

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Als die Eltern umziehen, erfindet sich ihre Tochter Laure eine neue Identität. Sie nennt sich Mikaël und kleidet sich als Bub.

Wildfang war früher das deutsche Wort für Mädchen, die sich eher männlich verhalten, mittlerweile entlehnt man gern den englischen Begriff: "Tomboy". Der gleichnamige Film von Céline Sciamma verrät mit diesem Titel schon die ganze Handlung: Als die Eltern zu Beginn der großen Ferien in einen Pariser Vorort umziehen, erfindet sich ihre Tochter Laure kurzerhand, vielleicht nur aus einer Laune heraus, eine neue Identität. Nachdem die kurzhaarige Zehnjährige den neuen Nachbarskindern erzählt, dass sie Mikaël heißt, tollt sie bald beim Fußball und Fangenspielen mit, schneidert ihren Mädchenbadeanzug zur Bubenhose um – und findet im Mädchen Lisa ihre neue Freundin. Spätestens mit dem ersten Kuss der zwei werden die Verhältnisse kompliziert, zumal Laure daheim brav als Mädchen auftritt.

Wie in ihrem Debüt Water Lilies inszeniert Sciamma "Tomboy" sauber und zurückhaltend, verlässt sich dabei ganz auf ihre (entzückenden) Kinderdarsteller: Das macht den Film liebenswert, ohne dass er je ein Risiko eingehen müsste. Das sanft progressive Plädoyer vom Wunsch, anders sein zu dürfen, hält er damit allerdings auf eine Art, die sich nicht von Dutzenden anderer Filmen unterscheidet.

TIPP

Tomboy. Teenagerfilm von Céline Sciamma. Ab 4. Mai im Kino

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