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Boykott: EU-Kommission bleibt EM in der Ukraine fern

Das Maskotchen der EM in der Ukraine
Das Maskotchen der EM in der Ukraine(c) (Gepa Pictures/ Panoramic)
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Die EU-Kommission wird auf Reisen zur Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine verzichten. Dessen Regierung und die FIFA üben Kritik. Putin bietet Timoschenko eine Behandlung in Russland an.

"EU-Kommissionspräsident (Jose Manuel) Barroso hat nicht die Absicht, in die Ukraine zu reisen oder an den Veranstaltungen im Zusammenhang mit der Euro-2012 teilzunehmen." Das verlautbarte die EU-Vertretung am Donnerstag auf ihrer Facebook-Seite. "Diese Haltung wird von allen EU-Kommissaren geteilt." Aus Protest gegen die Politik von Präsident Viktor Janukowitsch wird die gesamte EU-Kommission den Spielen der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine fernbleiben. Barroso selbst hatte bereits zuvor angekündigt, dass er nicht in die Ukraine reisen werde. Die Führung in Kiew steht vor allem wegen ihres Umgangs mit der inhaftierten Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko massiv unter Beschuss. Der gewählte russische Präsident Wladimir Putin brachte überraschend eine mögliche Behandlung der inhaftierten Ex-Regierungschefin in Russland ins Spiel.

Ein Sprecher der Kommission sagte in Brüssel, wollte die Erklärung nicht als einen Boykott verstanden wissen, sondern als ein Signal, "dass man nicht zufrieden ist mit der Art und Weise, wie mit Julia Timoschenko umgegangen wird". In der Kommission sei unstrittig, "dass es nicht angemessen ist, sich ein Spiel in der Ukraine anzuschauen, solange diese Bedenken bestehen".

Aus Protest gegen den Umgang der ukrainischen Behörden mit Julia Timoschenko forderten bereits zahlreiche Politiker einen Boykott der Spiele der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine. Das Land ist in wenigen Wochen gemeinsam mit Polen Gastgeberland des Turniers. In Kiew soll am 1. Juli das Endspiel der Euro 2012 ausgetragen werden. Die Boykottforderungen und -ankündigungen beziehen sich allerdings lediglich auf Besuche von offiziellen politischen Vertretern, nicht die Abhaltung der Spiele an sich. Auch Österreichs Regierung will auf Reisen in die Ukraine verzichten und damit ein Zeichen setzen.

 

FIFA-Chef und Ukraine wettern gegen Boykott

Die Ukraine verurteilt einen politischen Boykott der Fußball-Europameisterschaft in ihrem Land. "Das Außenministerium hält die Versuche einer Politisierung von Sportereignissen für destruktiv", teilte das Ministerium am Donnerstag in Kiew mit. Sportveranstaltungen dienten seit Urzeiten der zwischenstaatlichen Verständigung. "Aufrufe zu einem Boykott der Meisterschaft würden den Beziehungen einen Schaden zufügen", heißt es weiter in dem Schreiben.

Auch FIFA-Präsident Joseph Blatter hat die Aufrufe von Politikern zum Boykott der Fußball-EM in der Ukraine scharf kritisiert. "Die Politiker sollten sich jetzt beziehen auf die Werte des Sports. Und bevor sie von Boykott sprechen, sollte man sich überlegen, was das nach sich zieht", sagte der Chef des Fußball-Weltverbandes (FIFA) dem "Deutschen Anleger Fernsehen" am Donnerstag bei einem Symposium in St. Gallen. Blatter lehnt eine Verlegung ab. "Die EM muss durchgeführt werden, wo sie ist. Der Fußball soll die Leute zusammenbringen und nicht trennen."

Putin bietet Behandlung von Timoschenko an

Der Gesundheitszustand der hungerstreikenden ukrainischen Oppositionsführerin Julia Timoschenko hat sich nach Einschätzung ihrer Tochter weiter verschlechtert. "Sie ist viel schwächer, als sie noch vor ein paar Tagen war", sagte Jewgenija Timoschenko im ZDF am Donnerstagabend, die ihre Mutter nach eigenen Angaben am selben Tag im Gefängnis besucht hatte. Sie müsse liegen und könne sich zurzeit "praktisch gar nicht bewegen". Die Bitten der Familie, den Hungerstreik zu beenden, seien bisher erfolglos. "Sie hat aus verschiedensten Gründen ein Interesse an diesem Hungerstreik", sagte die 32-jährige Jewgenija Timoschenko. Die an Bandscheibenproblemen leidende Timoschenko verbüßt in der Ukraine eine siebenjährige Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs.

Der gewählte russische Präsident Wladimir Putin hat sich für eine Behandlung der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko in Russland ausgesprochen. Moskau übernehme die erkrankte Oppositionsführerin "gerne aus humanitären Gründen", falls sie selbst dies wünsche und die Führung in Kiew zustimme, sagte Putin am Donnerstag. Er kritisierte erneut die Verurteilung von Timoschenko wegen eines angeblichen fehlerhaften Gasvertrags. Das Abkommen - dass er selbst mit der damaligen Regierungschefin abgeschlossen hat - sei rechtens, betonte Putin.

Er kritisierte zugleich westliche Politiker für ihren Boykott der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine. "Ich halte an dem olympischen Prinzip fest, dass Sport keine Politik ist."

(Ag.)