Mobile Konsumräume sollen Drogenkranke von der Straße holen und damit Anrainern mehr Sicherheit geben, fordern die Grünen.
WIEN. Heidi Cammerlander, Sozialexpertin der Grünen, ist unzufrieden: „Die Razzien in der Drogenszene, vor allem am Karlsplatz, bringen nichts.“ Die Süchtigen würden verdrängt und in den Untergrund getrieben; die Beschaffungskriminalität steige. Ihre Forderung: eigene Räume, in denen Süchtige Drogen konsumieren können und medizinisch betreut werden. Damit wären die Süchtigen weg von der Straße, das Sicherheitsgefühl der Wiener steige und die Drogenkranken könnten deutlich besser betreut werden. Cammerlander: „In Hamburg geht die Szene nicht auf einen Kinderspielplatz und lässt die Spritzen zurück, weil es dort Räume für Drogensüchtige gibt.“ Nachsatz: „Was wäre dabei, wenn Konsumräume im Ganslwirt eingeführt werden?“
Als ersten Schritt schlägt Cammerlander vor (neben den Ausbau von Betreuungsräumen), mobile Konsumräume in Fahrzeugen zu schaffen, die zwischen den „Hot Spots“ der Drogenszene (Karlsplatz, Westbahnhof) pendeln.
Widerstände gegen Konsumräume kommentiert Cammerlander so: „Es gibt in Wien bereits Konsumräume. Das sind WCs, Parks und Spielplätze. Wir brauchen Rahmenbedingungen, damit es für die Bevölkerung erträglich ist.“
Wehsely: „Frage der Experten“
Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely steht dem Vorschlag im Gespräch mit der „Presse“ distanziert gegenüber: „Für mich ist das keine ideologische Frage, sondern eine Frage der Experten. Ich war als Gemeinderätin auch in diesem Bereich engagiert und weiß, dass es unterschiedliche Expertenmeinungen gibt.“ Sobald sich eine klare wissenschaftliche Linie herauskristallisiere, „werde ich mir genau ansehen, ob ein Bedarf existiert oder nicht“.
Gleichzeitig erklärt Wehsely, dass ein neues Drogenkonzept (das bisherige stammt aus dem Jahr 1999) nicht diskutiert werde: „Das dreiteilige Wiener Drogenkonzept mit Prävention, Hilfe für Drogenkranke und klarer Verfolgung von Dealern ist europaweit hoch angesehen.“ Wie reagiert die Stadt aber auf den Trend, dass Suchtgift immer billiger wird und Kokain von der Promi-Droge zur Volksdroge mutiert? Wehsely: „Es gibt dafür den Drogenbeirat. Der ist nicht dazu da, dass sich alle treffen und nett plaudern, sondern er diskutiert die neuesten Entwicklungen und reagiert entsprechend darauf.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.02.2007)