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Jungwirth-Prozess vertagt Neues Gutachten beantragt

(c) Dapd (Ronald Zak)

Gericht II. Wirtschaftsprüfer bestätigt „Vermengung von Privat- und Vereinssphäre“, die Schadenshöhe ist unklar.

Wien/Red. Der Untreueprozess gegen den ehemaligen ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth und seine Assistentin Manuela K. wurde auf 3. Juli vertagt. Bis dahin soll ein Gutachten vorliegen, welches detailliert Auskunft über die tatsächliche Höhe des Geldflusses zwischen Privat- und ÖOC-Konten und den vermeintlich entstandenen Schaden geben muss. Warum dies von der Staatsanwaltschaft nicht bereits vor der Anklageerhebung in Auftrag gegeben wurde, bleibt unbeantwortet. Richter Georg Olschak will auch Einvernahmen weiterer Zeugen, die an den ersten drei Verhandlungstagen verhindert waren, durchführen.

Jungwirth, 60, und K. müssen sich wegen des Vorwurfs der Untreue (§ 153 StGB) verantworten. Laut Anklageschrift geht es um 2.782.898,88 Euro, die von 2003 bis 2009 für private Zwecke verwendet worden sein sollen. Beide bekannten sich „nicht schuldig“. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Am dritten Prozesstag wurde zunächst ein nach Bekanntwerden der Ungereimtheiten im Jahr 2009 eingesetzter Wirtschaftsprüfer befragt. Seine Prüfung umfasste aber nur Teilbereiche, etwa Telefon- und Reiseabrechnungen sowie den Fuhrpark. Für diese könne er sagen, dass es in der „rudimentär geführten Buchhaltung“ zwischen 2005 und 2008 zu „Unplausibilitäten und der Vermengung von Privat- und Vereinssphäre“ gekommen sei, sagte der Finanzspezialist. Es habe drei Rechnungskreise gegeben, die zwar dem Vereinsrecht entsprachen, aber eine Gesamtprüfung „unmöglich“ machen. Jungwirth habe Teile der Fehlbeträge refundiert, aber nicht vollständig, so der Wirtschaftsprüfer.

 

Ein Konter, noch ein Rätsel

Heinz Jungwirth reagierte auf die Ausführungen mehrfach mit energischem Kopfschütteln und bestritt die angeblich mangelhafte Buchführung. Er habe sich an die Vorschriften gehalten, „die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ist zu Jahresende immer korrekt gewesen“, konterte er.

Auch das Rätsel um das Verschwinden der gesamten Buchhaltung des ÖOC bis 2005 – bis dahin arbeitete das Komitee ohne EDV-System – konnte bislang nicht gelöst werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.05.2012)