Zehn Millionen Euro für jeden, das ist die verblüffend einfache Lösung!

Schluss mit dem Sparfimmel: Wie die Europäische Zentralbank auf einen Schlag die Wirtschaft retten, die Arbeitslosigkeit beseitigen und uns alle zu glücklichen Millionären machen könnte.

Dass Regierungen in ganz Europa derzeit ein wenig zu sparen beginnen, nur weil sie bis über beide Ohren verschuldet sind und kaum noch neue Kredite bekommen können, ist für Anhänger des traditionellen europäischen „Sozialstaat auf Schulden“-Konzeptes ein tragischer Irrweg. Nur mehr Konsum, so meinen sie, könne wieder mehr Wachstum generieren.

Das ist natürlich wesentlich populärer als die kleinliche Spargesinnung, wie sie von der „Schwäbischen Hausfrau“ Angela Merkel und anderen Spaßbremsen eingemahnt wird. Sich aus der Krise shoppen ist ja doch irgendwie lustiger als schmallippiger Konsumverzicht. Nicht ganz klar war in diesem Konzept bisher bloß, wo das dafür notwendige Geld herkommen soll, wenn die humorlosen Finanzmärkte es nicht mehr so ohne Weiteres herausrücken wollen.

Dabei ist die Lösung verblüffend einfach: Wenn sich Banken für ein Prozent Zinsen fast unbegrenzte Geldbeträge auf drei Jahre bei der Zentralbank ausborgen können, warum dann eigentlich nicht auch jeder einzelne Staatsbürger, sagen wir zumindest einmal bis zu zehn Millionen Euro? (Die Überlegung ist übrigens leider geklaut, sie stammt ursprünglich von der ehemaligen Chefin der US-Bankenaufsicht, Sheila Blair.)

Den Betrag könnte der Einzelne dann, wie Banken auch, für drei Prozent Zinsen an den österreichischen Staat verborgen und so ein arbeitsloses jährliches Einkommen von 200.000 Euro lukrieren. Risikofreudigere Mitbürger werden vielleicht auch Italien oder Spanien Geld borgen und damit bis zu 500.000 Euro jährlich generieren; und das alles günstigerweise nur mit 25% (KESt.) zu versteuern.

Das würde den Konsum natürlich sofort explodieren lassen wie noch nie, damit die Steuereinnahmen des Staates nach oben jagen und so die Schulden der Republik vermindern helfen. Gleichzeitig würde sich der Staat enorme Ausgaben sparen können: von der Arbeitslosenversicherung bis zur Sozialhilfe wären zahllose Zuwendungen hinfällig, denn mit 200.000 Euro im Jahr können die meisten schon einigermaßen über die Runden kommen.

Auch unter dem Aspekt der sozialen Wärme wäre ein derartiges Konjunkturpaket höchst erstrebenswert. Denn viel mehr als die letztlich doch irgendwie zeitraubende und unbefriedigende Erwerbsarbeit könnte dieser Plan dafür sorgen, dass über kurz oder lang jeder Millionär wird, was doch wesentlich gerechter als der derzeitige Zustand wäre.

Natürlich müsste die Europäische Zentralbank für diesen Plan ausreichend Geld zur Verfügung stellen. Aber das kann sie ja jederzeit drucken, so wie jetzt auch schon. Verlieren würde sie dabei ganz sicher nichts, nach zehn Jahren oder so würde sie die verborgten zehn Millionen von jedem Bürger zurückbekommen; also zumindest versprechen sollte jeder der Kreditnehmer das schon.

Irgendwelche Kleingeister, die von Ökonomie keine Ahnung haben, werden jetzt vermutlich beckmesserisch einwenden, dass ein gewisser Anstieg der Inflation möglicherweise unerwünschte Folge eines derart genialen Plans sein könnte. Manche Ewiggestrigen werden eben nie begreifen, dass das bunte Bedrucken von Papierzetteln die bewährteste Methode der Menschheitsgeschichte zur Schaffung von Wohlstand ist.


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Zum Autor:

Christian Ortner ist Kolumnist und Autor in Wien. Er leitet „ortneronline. Das Zentralorgan des Neoliberalismus“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.05.2012)

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