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Julia Timoschenko mit Mordvorwürfen konfrontiert

(c) AP (Virginia Mayo)
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Die Staatsanwaltschaft wirft der inhaftierten politischen Rivalin von Staatschef Viktor Janukowitsch die Beteiligung an einem Mordkomplott vor.

Kiew. Der inhaftierten ukrainischen Ex-Premierministerin und ehemaligen Oligarchin Julia Timoschenko scheint das Schicksal ihres russischen Pendants Michail Chodorkowski zu blühen. Wie dessen langjährige Haftstrafe durch immer neue Prozesse sowie unbewiesene Mordvorwürfe prolongiert wurde, so sieht sich auch Timoschenko derzeit ständig neuen Ermittlungen ausgesetzt, die offenbar die internationale Kritik an der ukrainischen Justiz konterkarieren sollen.

Am Freitag preschte Staatsanwalt Renat Kuzmin vor: Schon in den kommenden zwei Wochen könnte seine Behörde Anklage wegen Mordes gegen Timoschenko erheben, sagte er im Interview mit EurActiv. Konkret werde Timoschenko als einstige Gashändlerin verdächtigt, am Mord gegen den Geschäftsrivalen und Abgeordneten Jewgeni Shcherban beteiligt gewesen zu sein. Der Mord sei über ihre Konten finanziert worden, noch würden Beweise gesammelt.

 

Janukowitschs dritter Streich

Sollte es zu einer Anklage kommen, wäre dies der dritte große Schlag gegen die Erzrivalin von Präsident Viktor Janukowitsch. Seit dem Vorjahr verbüßt Timoschenko ja eine mehrjährige Haftstrafe wegen angeblichen Machtmissbrauchs bei der Aushandlung eines Gasvertrages mit Russland 2009. Und seit Kurzem befindet sie sich wegen des Vorwurfs der Untreue und der Steuerhinterziehung bei den Gasgeschäften in den 1990er-Jahren vor Gericht.

Physisch freilich liegt sie derzeit im Krankenhaus der ostukrainischen Stadt Charkiw, wo ihr Bandscheibenvorfall unter deutscher Aufsicht behandelt wird. Ihre Krankheit und ihre umstrittenen Haftbedingungen haben Janukowitsch in die Isolation getrieben. Am Freitag hat selbst der polnische Präsident Bronislaw Komorowski weitere Ukraine-Reisen ausgesetzt, bis es „neue Entwicklungen“ in der Causa Timoschenko gebe. Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaitė hat gestern Janukowitsch nur noch unter der Bedingung getroffen, dass sie zuvor zu Timoschenko vorgelassen werde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2012)