Wo es noch satte Risikoprämien gibt

(c) Erwin Wodicka
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Hochzinspapiere von Unternehmen bieten gute Chancen. Die Insolvenzrate ist niedrig, und die Firmen sind gut aufgestellt. Trotzdem sind die Papiere noch nicht zu teuer.

Wien. Zu Beginn des Jahres schien es, als würde sich die Lage für Investoren endlich verbessern. Die europäische Schuldenkrise entspannte sich, und die Aktien schossen in die Höhe. Inzwischen ist die Euphorie aber der Ernüchterung wegen der weiterhin unsichere Lage gewichen. Die Wahlen in Griechenland und Frankreich haben Anleger zusätzlich verunsichert – und Verunsicherung ist etwas, das riskanten Vermögenswerten wie Aktien gar nicht guttut.

Also geht die Suche nach einem Investment, mit dem sich der Inflation begegnen lässt, weiter. Sichere Anleihen fallen aus, denn mit ihnen lassen sich kaum mehr als zwei Prozent (vor allen Steuern und Gebühren) erzielen. Ein Ausweg können Unternehmensanleihen sein. Aber nicht irgendwelche, sondern sogenannte „Hochzinsanleihen“. Das sind Schuldverschreibungen von Firmen, die entweder über ein niedriges Rating (ab „BB“ abwärts) oder über gar keines verfügen und von Investoren als weniger sicher eingeschätzt werden als Schlachtschiffe wie etwa die deutsche Lufthansa oder Daimler. Dafür bieten die Unternehmen jedoch auch deutlich höhere Zinsen.

Insolvenzrate ist niedrig

Der High-Yield-Markt, so der englische Ausdruck, sei relativ zum Preisniveau von Aktien und anderen Wertpapieren „unglaublich attraktiv“, findet James Keenan, der beim weltgrößten Vermögensverwalter, Blackrock, zwei milliardenschwere Fonds für Hochzinsanleihen steuert. „High-Yield-Anleihen werfen 7,5 Prozent pro Jahr ab, fünfjährige amerikanische Staatsanleihen nur 0,9 Prozent. Das ist mehr als sieben Mal so viel, doch im Schnitt der vergangenen 25 Jahre lag das Verhältnis bei 2,7“, rechnet er im Gespräch mit der „Presse“ vor.

Ein wesentlicher Faktor bei Hochzinsanleihen sind die jährlichen Insolvenzraten. Dass die Unternehmen hohe Zinsen zahlen, bringt nämlich wenig, wenn sie pleitegehen. Im Fall einer Insolvenz erhalten die Anleihengläubiger im Schnitt 40Prozent ihres Einsatzes zurück. Beim aktuellen Preisniveau der Papiere müsse es in den nächsten fünf Jahren eine jährliche Pleitequote von mehr als zehn Prozent geben, um als Anleger Geld zu verlieren, sagt Keenan. „Das gab es noch nie.“ 2009 lag der Wert zwar bei zwölf Prozent, 2011 aber schon wieder bei zwei Prozent. Für heuer erwartet der Experte eine Quote von drei Prozent.

Es gibt noch mehr gute Nachrichten für Anleger, die Unternehmen Geld leihen wollen. In den vergangenen Jahren haben die Firmen ihre Schulden drastisch reduziert, weil sie zunächst Kosten zurückgefahren haben und dann die Gewinne sprudelten. Keenan präferiert den amerikanischen Markt, entdeckt aber auch in Europa gute Chancen. Etwa die Anleihen des Kabelanbieters Kabel Deutschland, die mehr als fünf Prozent abwerfen. Oder jene des Autozulieferers Schaeffler, die mit über sechs Prozent rentieren.

Am attraktivsten sähen derzeit Anleihen mit einem Rating von „BB“ oder „B“ aus, meinte James Tomlins, High-Yield-Fondsmanager bei M&G Investments, bei einem Vortrag in Wien. Doch seien nicht alle Firmen, die über das gleiche Rating verfügten, auch gleich gut aufgestellt, warnt er. Vor fünf Jahren gab es noch einen starken Zusammenhang zwischen dem Rating und den Aufschlägen, die das Unternehmen zahlen musste: Je schlechter die Bonität, desto mehr Zinsen erhielt man als Anleger.

Das sei nicht mehr so zwingend: Es gebe relativ gut aufgestellte Firmen mit „BB“-Rating, die zweistellige Aufschläge zahlten, und solche mit sehr schlechter Bonität, die deutlich weniger zahlten. „Ein Paradies für Stock-Picker“, meint der Experte.

Tomlins borgt lieber Firmen aus „defensiven“ Branchen Geld, etwa Telekomfirmen, und meidet „zyklische“ Werte, die stark von der Konjunktur abhängig sind. So findet er etwa den schwedischen Kabelfernsehbetreiber „Com Hem“ und den Telekom-Anbieter Orange attraktiv, meidet aber die besser geratete Peugeot-Anleihe. „In Krisenzeiten kaufen die Leute kein neues Auto, aber sie schränken sich nicht bei der Telefon- und Internetnutzung ein.“ Auch von Bankanleihen rät der Fondsmanager ab.

Kurse können schwanken

Während der Laufzeit können Anleihekurse mitunter stark schwanken. Ursache für Kursrückgänge können eine schlechtere Konjunkturerwartung oder steigende Marktzinsen sein. Bei Unternehmensanleihen seien die Zinsen allerdings schon hoch, meint der für globale Anlagestrategie verantwortliche HSBC-Experte Philip Poole. Er rät langfristig orientierten Anlegern, jetzt Unternehmensanleihen mit hohen Zinsen zu kaufen und liegen zu lassen.

Was Sie beachten sollten bei... Hochzinsanleihen

Tipp 1

Rendite-Risiko-Verhältnis. Je sicherer eine Anleihe ist, desto niedriger sind die Zinsen. Sehr hohe Zinsen können auf ein erhöhtes Pleiterisiko hindeuten. Derzeit haben Experten zufolge Anleihen von Unternehmen, die ein Rating knapp unter Investmentgrade (bis „BBB“) haben, also etwa „BB“, das beste Rendite-Risiko-Verhältnis.

Tipp 2

Streuen. Hat man Hochzinsanleihen nur von einer oder wenigen Firmen, riskiert man hohe Verluste, falls die Firmen zahlungsunfähig werden. Deswegen sollte man entweder mehrere Anleihen halten oder in Fonds investieren. Einige setzen nur auf Hochzinsanleihen oder Investment-Grade-Anleihen, andere haben keine Einschränkung.

Tipp 3

Indexfonds. Börsenotierte Indexfonds (ETFs) bieten eine Möglichkeit, Geld ohne hohe Kosten zu streuen. Solche gibt es auf verschiedene Indizes, etwa den „Markit iBoxx Euro High Yield“. Dieser bildet Kursentwicklung sowie Zinszahlung zahlreicher Anleihen ab. Aktives Management lohnt sich, wenn der Fondsmanager den Index schlägt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2012)

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