Club of Rome

Der Club of Rome hat eine neue apokalyptische Prognose für die Welt vorgelegt. Im Unterschied zu früher wird nun aber die Wandlungsfähigkeit des Menschen berücksichtigt.

Und wieder einmal der „Club of Rome“: 40Jahre nach dem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ wurden Anfang dieser Woche Ergebnisse der Studie „2052: A Global Forecast for the Next Forty Years“ veröffentlicht. (Die gesamte Studie erscheint erst im Juni.) Versammelt sind darin Betrachtungen von rund 35 Forschern unter der Leitung des Club-of-Rome-„Veteranen“ Jørgen Randers, der schon 1972 im Team von Dennis Meadows mitgearbeitet hat.

Der neue Bericht fällt in weiten Teilen nicht weniger apokalyptisch aus: Der Mensch schädigt mit seiner Wirtschaftsweise die Naturschätze und das Klima – weshalb es künftig weniger Wachstum geben werde. Die CO2-Emissionen steigen 20 Jahre weiter, die Welt werde sich um mehr als zwei Grad erwärmen, der Meeresspiegel um 50Zentimeter steigen. Die Armut in den Entwicklungsländern werde zwar zurückgehen, in den Industrieländern würden Armut und Ungleichheit aber steigen.

So weit, so apokalyptisch. Die Forscher haben aber auch dazugelernt: Die „Grenzen des Wachstums“ litten daran, dass der menschliche Fortschritt als überschaubar angesehen wurde. Der Mensch ist aber flexibel und anpassungsfähig an die Umweltbedingungen: Das war schon immer so, andernfalls wäre die Menschheit schon mehrmals ausgestorben. Und das wird auch so bleiben: Immer neue Innovationen – technologische und soziale – schieben vorgeblich fixe Grenzen nach oben. Wie weit ist freilich im Vorhinein unbekannt.

Jedenfalls rücken manche Mitarbeiter im 2052-Bericht nun den menschlichen Faktor ins Zentrum. So wird prognostiziert, dass die Weltbevölkerung „nur“ auf 8,1 Milliarden wächst und dann zurückgeht (andere Prognosen gehen bis neun oder sogar zehn Milliarden Menschen). Der Grund: Immer mehr Menschen leben in Städten, das Bildungsniveau von Frauen steigt, in der Folge sinken die Geburtenraten. Das österreichische Club-of-Rome-Mitglied Karl Wagner geht noch einen Schritt weiter. Der Wertekanon der Menschen werde sich hin zu einem nachhaltigeren Wirtschaften verändern, da es sich junge Menschen nicht länger gefallen lassen, die Umweltkosten der Vorgängergenerationen zu tragen. Wagner sagt für die 2020er-Jahre eine Revolution voraus, die ähnlich umwälzend sein könnte wie die von 1848.

Randers ist, wie sein Lehrmeister Meadows, nicht so optimistisch. Er sieht zwar ebenfalls Veränderungen, doch er befürchtet, dass die Anpassungsprozesse nicht schnell genug gehen. Er habe, so sagte er, nur eine Hoffnung, dass die Welt doch noch gerettet werden könne: dass seine Folgerungen falsch sind. Wir werden's ja sehen.

martin.kugler@diepresse.com

DiePresse.com/wortderwoche

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2012)

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