Ein Wohnhaus, das zu Spitzenzeiten Energie liefert

Die Zusammenführung verschiedener Kompetenzen ermöglicht völlig neue Lösungen.

Es gibt bereits unzählige Technologien, um Häuser zu Kraftwerken zu machen – von Solarkollektoren und Fotovoltaikanlagen über Blockheizkraftwerke, Windräder und Brennstoffzellen bis hin zu Energiespeichern. Die Frage dabei ist, ob das Ganze auch wirtschaftlich betrieben werden kann. Eine Idee, die nun in dem Projekt „Power House“ verfolgt wird, ist es, Spitzenstrom bereitzustellen. Für Elektrizität zu Tageszeiten, in denen der Stromverbrauch hoch ist, bezahlen Energieunternehmen sehr hohe Preise. Um diese erzielen zu können, muss die erzeugte Energie zwischengespeichert und genau zum richtigen Zeitpunkt an das Netz abgegeben werden.

Technisch bedeutet das, dass alle Komponenten des häuslichen Energiesystems optimal zusammenspielen müssen, erläutert Richard Zweiler, Geschäftsführer des kleinen burgenländischen Unternehmens „Güssing Energy Technologies“ (GET). „Derzeit hat so ein System noch zu viele Freiheitsgrade. Es sind noch viele Spezifikationen nötig, damit ein Gewinn möglich wird.“ GET ist seit dem Vorjahr Mitglied im Dachverband Austrian Cooperative Research (ACR).

Das „Power House“ wird gemeinsam mit einer Reihe von Partnern entwickelt, unter ihnen das Comet-K1-Zentrum Bioenergy2020+, das Austrian Battery Research Laboratory (ABR) oder das Austrian Solar Innovation Center (ASiC). Letzteres Forschungsunternehmen, ein Spezialist für Solarenergie und Optimierung von Energiesystemen, ist ebenfalls Mitglied im ACR-Verbund. Wenn alles nach Plan klappt, dann könnte im Jahr 2015 eine „Plug&Play“-Lösung für Einfamilienhäuser auf dem Markt sein. Man bemüht sich derzeit um eine Förderung im Coin-Programm der FFG.

Das Projekt „Power-House“ ist ein gutes Beispiel dafür, in welche Richtung sich die heimische Forschungslandschaft im Allgemeinen und die ACR im Besonderen entwickeln soll: hin zu mehr Kooperation – um zum einen komplexere Themen bearbeiten zu können und zum anderen eine kritische Größe zu entwickeln, mit der man auch in großen Projekten, etwa im EU-Rahmenprogramm, reüssieren kann.

Wie fruchtbringend ein stärkeres Zusammenrücken ist, davon überzeugten sich ACR-Institutsleiter Anfang dieser Woche bei einer Studienreise nach Schweden. Dort wurden unzählige wirtschaftsnahe Forschungseinrichtungen in den letzten Jahren unter dem Dach der Holding „Rise“ (Research Institute of Sweden) versammelt – in Summe rund 2200 Forscher. Eine derart große Reorganisation scheint zwar für Österreich derzeit kaum denkbar, doch bei den Forschungsinhalten geht der Weg in diese Richtung.

Ein aktuelles Beispiel: Bei einer Ausschreibung für Forschungsinfrastruktur in ACR-Instituten wurde als Voraussetzung explizit gefordert, dass die Geräte gemeinsam genutzt werden müssen – womit man laut dem zuständigen Beamten im Wirtschaftsministerium (BMWFJ), Karl Wizany, sehr gute Erfahrungen gemacht habe.

Institute

GET (Güssing Energy Technology) ist eine Ausgründung aus dem Kompetenzzentrum Renet. Mit neun Mitarbeitern werden neue Systeme zur Nutzung erneuerbarer Energien entwickelt.

ASiC (Austrian Solar Innovation Center) entwickelt mit neun Mitarbeitern in Wels neue Methoden zur Nutzung von Sonnenenergie, u.a. zur solaren Kühlung. Ein Schwerpunkt ist die Energiespeicherung.

ACR (Austrian Coope-rative Research) ist ein Dachverband über 17 außeruniversitäre Forschungsinstitute, die vor allem für
KMU tätig sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2012)

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