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Griechen-Ausstieg kostet Österreich bis zu 7,7 Mrd. Euro

Griechenland-Abgang aus der Eurozone könnte bis zu 7,7 Mrd. Euro kosten
(c) dapd (Axel Schmidt)
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Beim "Grexit" drohen Haftungen bis zu 3,1 Milliarden schlagend zu werden. Dazu kommen bilaterale Kredite und EZB-Beteiligungen in Milliardenhöhe.

Wie viel ein plötzlicher Zahlungsausfall oder Euro-Austritt Griechenlands die EU kosten würde, darüber kursierten in den vergangenen Tagen Schätzungen zwischen 280 (Citibank) und 400 Milliarden Euro (JP Morgan). Für das österreichische Budget dürften jedenfalls kurzfristig Haftungen in Höhe von bis zu 3,1 Milliarden Euro schlagend werden. Zu den bereits bilateralen Krediten von 1,6 Milliarden könnten noch Abschreibungen der EZB auf Griechen-Anleihen, die Österreich mit weiteren drei Milliarden treffen, kommen. In Summe müsste der österreichische Steuerzahler in diesem Szenario für 7,7 Milliarden Euro aufkommen.

Sollte die Republik der Nationalbank frisches Geld zuführen müssen, drohen weitere Ausgaben. Zahlen wollten weder das Finanzministerium noch der neue IHS-Chef Christian Keuschnigg nennen. "Quantifizieren kann ich das noch nicht", erklärte Keuschnigg, der Professor für öffentliche Finanzen ist. "Österreich hat sich aber an allen europäischen Aktionen beteiligt."

Österreich haftet für drei Prozent des EFSF

Zusätzlich zu den knapp 1,6 Milliarden Euro an bilateralen Krediten, die die Alpenrepublik bisher gewährt hat, haftet Österreich für 2,99 Prozent der Ausgaben des provisorischen Rettungsschirms EFSF. Wie bekannt haben SPÖ, ÖVP und Grüne am 29. September 2011 im Nationalrat für den Euro-Rettungsschirm eine Staatshaftung von bis zu 21,6 Milliarden Euro abgegeben.

Weil der EFSF in den vergangenen acht Wochen schon 103,7 Milliarden Euro Griechenland-Hilfen ausgegeben hat, würden auf Österreich beim sogenannten "Grexit" (Griechenland-Exit) 3,11 Milliarden Euro an Haftungen entfallen. Zum Vergleich: Bilaterale Kredite und und möglicherweise fällig werdende Haftungen würden dem Doppelten der Lohn- und Einkommenssteuerentlastung bei der letzten Steuerreform 2009 entsprechen (2,3 Milliarden Euro).

Nicht eingerechnet, weil bereits ausgegeben, ist auch die Milliarde, die VP-Finanzministerin Maria Fekter der staatlichen KA Finanz zuschießen musste, damit diese die Verluste aus ihren Griechenland-Papieren tragen kann.

Drei Milliarden Euro an EZB

Einen wahrscheinlich dreistelligen Milliardenbetrag müsste die Europäische Zentralbank, an der die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) mit 1,94 Prozent beteiligt ist, abschreiben. Die EZB hat in den vergangenen zwei Jahren um etwa 50 Milliarden Euro (Nominale) Hellas-Anleihen angekauft. Dazu kommen weitere 103,7 Milliarden Euro, die die griechische Zentralbank der EZB im Rahmen des Clearingsystems "Target 2" schuldet und die im Fall eines Euro-Austritts notleidend würden.

Wie viele Griechenland-Kredite in welcher Qualität noch in der Zentralbank lagern, ist in der Öffentlichkeit unbekannt. Sollten die Target 2-Verbindlichkeiten und das Anleihenprogramm SMP voll ausfallen, sind rund 150 Milliarden Euro an EZB-Aktiva betroffen. Rein rechnerisch müsste die OeNB in einem solchen Fall etwa drei Milliarden Euro nach Frankfurt zahlen, um den Status quo beim Eigenkapital aufrecht zu erhalten. Das ergibt eine Überschlagsrechnung.

Auch nach Exit soll Geld nach Athen fließen

Um ein solches Szenario zu verhindern, wird gerade fieberhaft nach Möglichkeiten gesucht, nach einem Euro-Ausscheiden weiter EFSF-Milliarden nach Griechenland rollen zu lassen - mit dem Ziel, die Griechen in die Lage zu versetzen, ihre Kredite bei den EU-Ländern und der EZB zu bedienen, berichtet die deutsche Tageszeitung "Die Welt".

Schon jetzt werden die sogenannten Griechenlandhilfen fast ausschließlich zur Bedienung der griechischen Staatsschulden verwendet: So überwies der EFSF am vergangenen Donnerstag 4,2 Mrd. Euro nach Athen, um sicherzustellen, dass die Griechen am kommenden Freitag eine fällig werdende drei Milliarden-Anleihe an die EZB zurückzahlen können.

(APA)