JP-Morgan-Vorstand behält Doppelfunktion an Bankspitze

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Bankchef Jamie Dimon kam auf der Hauptversammlung glimpflich davon. In wenigen Wochen wurden über zwei Mrd. Dollar verspekuliert.

New york/Reuters. Nach dem milliardenschweren Spekulationsdesaster bei JP Morgan ist Bankchef Jamie Dimon bei der Hauptversammlung mit einem blauen Auge davon gekommen. Die Aktionäre stimmten am Dienstag dafür, dass Dimon weiterhin Vorstands- und Verwaltungsratschef beim größten US-Institut bleibt. Allerdings war der Anteil der Gegenstimmen mit 40 Prozent nicht unerheblich.

Im Vorfeld waren Rufe nach einer Trennung der beiden Spitzenämter lauter geworden. Für das Aktionärstreffen lag ein Antrag vor, diese Posten zu trennen. Vor allem CalPERS, der größte Pensionsfonds der USA, hatte sich dafür stark gemacht.

Nach dem Spekulationsverlust von zwei Mrd. Dollar übte sich Dimon vor den Aktionären in Florida in Demut: „Wir müssen viele Lektionen daraus lernen und viele Veränderungen umsetzen“, erklärte er. Das Desaster habe die Bank selbst verschuldet, sagte er hastig und verschluckte dabei einige Wörter. Die Dividende soll aber nicht eingeschränkt werden.

Vergangene Woche musste JP Morgan einräumen, in wenigen Wochen über zwei Mrd. Dollar mit Derivategeschäften verspekuliert zu haben. Da einige der Positionen noch immer im Portfolio sind, kann sich der Verlust in den kommenden Wochen noch erhöhen. Am Montag gab es bereits erste personelle Konsequenzen: Die Spitzenbankerin Ina Drew, die die betroffene Sparte der Bank leitete, musste ihren Posten räumen.

Fed und FBI ermitteln

New Yorks Rechnungsprüfer John Liu, der die 400 Mio. Dollar schwere Beteiligung der Stadt an der Bank verwaltet, forderte wie andere Aktionäre auch, dass die für den Verlust verantwortlichen Banker eine Entschädigung an das Institut zahlen sollen. Der immense Handelsverlust hat auch die US-Notenbank auf den Plan gerufen. Sie ermittelt, ob JP Morgan in anderen Bereichen ähnlich riskante Positionen hält. Kreisen zufolge soll auch das FBI Ermittlungen aufgenommen haben.

US-Präsident Barack Obama und sein Finanzminister Timothy Geithner haben derweil durchblicken lassen, dass der Vorfall die laufende Gesetzgebung zur Bankenregulierung beeinflussen dürfte. Entsprechende Gesetze werden seit Längerem verhandelt und sollen bald in Kraft treten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2012)

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