Italiens Banken abgestuft

(c) REUTERS (ALESSANDRO GAROFALO)
  • Drucken

Moody's senkt den Daumen über Italiens Banken: UniCredit nur noch „A3“, viele Banken schon auf „Ramschstatus“.

Rom. Ein paar Monate lang schien es, als ob Italien unter der neuen Expertenregierung unter dem Wirtschaftsprofessor Mario Monti aus dem Gröbsten heraus wäre. Doch die wirtschaftliche Lage des Landes ist und bleibt angespannt. Gleich 26 Banken hat die Ratingagentur Moody's deshalb herabgestuft, darunter auch die Großbanken UniCredit und Intesa Sanpaolo. Ihre Kreditwürdigkeit bewertet Moody's nun um eine Note schlechter mit „A3“.

Die Nummer drei unter den italienischen Banken, die altehrwürdige Monte dei Paschi di Siena, fiel gleich um zwei Stufen auf Baa3, ebenso die Banco Popolare. Sie stehen damit kurz vor dem, was in der Sprache der Börsianer „Ramschniveau“ genannt wird. Mehrere kleinere Banken sind dort in der Einschätzung von Moody's bereits angelangt – ein Urteil, dessen psychologische Wirkung nicht unterschätzt werden darf. Denn Moody's begründet die Deklassierung damit, dass Montis Sparkurs die Konjunktur belaste und das Land sich in einer Rezession befinde.

Viele Banken seien bereits „geschwächt“ und dadurch „besonders verwundbar“, und es sei für sie wieder schwieriger geworden, auf dem Markt frisches Geld aufzunehmen. Der Ausblick für alle deklassierten Banken, so Moody's zusammenfassend, sei negativ, ihnen droht also eine weitere Herabstufung. Die Ratings italienischer Banken gehörten nun „zu den niedrigsten unter den hoch entwickelten europäischen Ländern“. Pleiten seien allerdings nicht zu befürchten, da die Europäische Zentralbank ausreichend Geld zur Verfügung gestellt habe – und viele Banken ihre Kapitaldecken gestärkt hätten.

Die Mailänder Börse reagierte gestern denn auch eher gelassen, die Kurse von UniCredit und Intesa San Paolo legten am Morgen sogar zu. Ungewöhnlich scharf aber äußerte sich der italienische Bankenverband (ABI), der das Urteil als „unverantwortlich, unverständlich und ungerechtfertigt“ bezeichnete. „Es ist ein Angriff auf Italien, seine Unternehmen, seine Familien, seine Bürger.“

Schwierige Kreditvergabe

Die Regierung in Rom dagegen schwieg zur Rückstufung, glücklich kann sie darüber aber nicht sein: Je negativer die Banken bewertet werden, umso schwieriger und teurer wird die Kreditvergabe an Unternehmen, ein weiterer Bremsklotz für Italiens lahmende Wirtschaft. Und es waren schließlich auch die drei großen Ratingagenturen, die im vergangenen Jahr vehement mehr Sparanstrengungen und Reformen von Italien eingefordert hatten – und nicht zuletzt zum Sturz von Silvio Berlusconi beitrugen.

Seine Nachfolger fahren unter dem Druck aus Brüssel und Berlin einen Sparkurs, dessen Ausmaße viele Italiener erst jetzt zu spüren bekommen. Die ohnehin hohen Abgaben und Steuern steigen weiter, um die Verschuldung in den Griff zu bekommen, allein Benzin wurde im vergangenen Jahr um über 20Prozent teurer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2012)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.