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Heldenplatz: Darabos stoppt Gedenken an SS-Angehörige

(c) AP (RUDI BLAHA)
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In der Krypta wird tatsächlich auch der Kriegsverbrecher und SS-Angehöriger gedacht. Norbert Darabos setzt eine Arbeitsgruppe ein, die ein entsprechendes Konzept erarbeiten soll.

Wien. Der Name lautet Josef Vallaster. Der gebürtige Vorarlberger war ab April 1942 im ehemaligen Nazi-KZ-Lager auf den während des 2. Weltkrieges besetzten polnischen Gebieten in Sobibór maßgeblich an der Ermordung von 250.000 Juden beteiligt. Zuvor hatte er auf Schloss Hartheim in Oberösterreich am Massenmord an bis zu 18.000 behinderten Österreichern und Deutschen mitgewirkt. Die Brutalität von Vallaster wurde selbst von SS-Angehörigen hervorgehoben. Er wurde deswegen von Häftlingen am 14.Oktober 1943 mit einer Axt erschlagen. Josef Vallaster ist einer der Namen im Totenbuch, deren in einem Raum der Krypta am Wiener Heldenplatz gedacht wird – neben den anderen „Gefallenen“ des Zweiten Weltkriegs. In der Krypta legen nicht nur heimische Regierungschefs Kränze nieder, auch ausländische Staatsgäste landen bei Besuchen Österreichs laut Protokoll dort zum Totengedenken. Grünen-Abgeordneter Harald Walser will den Namen des Kriegsverbrechers in dem Buch entdeckt haben und fordert nun eine völlige Neugestaltung und -bewertung der Krypta.

In einer parlamentarischen Anfrage wollte Walser von Verteidigungsminister Norbert Darabos wissen, ob an dem Ort etwa auch Angehöriger der Waffen-SS gedacht werde. Darabos bestätigte dies in der Anfragebesprechung am späten Dienstagnachmittag. „Dies soll nun hinterfragt und geändert werden“, sagt Darabos dazu. Ein entsprechendes Konzept soll nun eine neue Arbeitsgruppe unter Einbeziehung der Präsidentschaftskanzlei, der Regierung, der Burghauptmannschaft und des Bundesdenkmalamtes erarbeiten. Die Krypta gehört der Burghauptmannschaft, die laufende Betreuung erfolgt durch das Militär-Vikariat.

 

Suche nach Geheim-NS-Symbol

Der Verteidigungsminister lässt dieser Tage auch eine spezielle Untersuchung in der Krypta selbst durchführen: Das Denkmal des toten Soldaten soll geöffnet und nach einem möglicherweise versteckten NS-Schriftstück durchsucht werden. Ein entsprechendes Gerücht hält sich seit Jahren hartnäckig und beunruhigt etwa auch Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde.

Im Jahr 1934 wurde das Äußere Burgtor von Rudolf Wondracek zu einem Heldendenkmal umgebaut, das bewusst den öffentlichen nicht verbauten Raum einbezog. Eine Krypta wurde den gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges gewidmet, in der sich ein vom Bildhauer Wilhelm Frass gestaltetes Epitaph, das in Lebensgröße einen toten Soldaten wiedergibt, ein Altar und die Totenbücher befinden. Frass, selbst ein begeisterter Nazi, behauptete in einem Brief 1938, dass er unter dem Epitaph ein Schriftstück mit nationalsozialistischem Inhalt deponiert hätte. In dem Schriftstück hieß es wörtlich: „In einem unbeobachteten Augenblick konnte ich in eine bereits vorbereitete Mulde im Sockel eine Metallhülse legen, die alsbald, noch bis heute und vielleicht für immer von der schweren Figur verdeckt wurde. Bei allen möglichen Anlässen standen die damaligen hohen Würdenträger der Systemzeit vor der Figur und hatten keine Ahnung (was für mich einigermaßen belustigend war!), dass unter der Figur eine ,hochverräterische‘ Inschrift liegt, denn damals war sie es.“ Darin hatte er auch sinngemäß auf den vorgesehenen Platz Österreichs unter dem „nationalsozialistischen Sonnenrad“, also Hakenkreuz, hingewiesen.

Darabos hat den Generalstab angewiesen, die Burghauptmannschaft um Durchführung einer Überprüfung zur Klärung der oben angeführten Behauptung des Bildhauers zu ersuchen. „Schon um die Gerüchte zu beenden“, sagt sein Sprecher. Diese Überprüfung stellt die Burghauptmannschaft vor ein Problem, nämlich wie das Denkmal geöffnet werden kann, ohne es ernsthaft zu beschädigen.

Immer wieder versammeln sich bei der Krypta Burschenschafter und Vertreter der extremen Rechten, um der Toten des Zweiten Weltkriegs zu gedenken.

Auf einen Blick

Die Krypta im Äußeren Burgtor am Heldenplatz wurde in den Jahren 1933/34 in Gedenken an alle im Ersten Weltkrieg im Kampf gefallenen Soldaten und an Kriegsstrapazen gestorbenen Österreicher errichtet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2012)