Der Computerkonzern macht eine der schwersten Krisen seiner Firmengeschichte durch. Die Schuld daran wird zwei Frauen gegeben: Patricia Dunn und Carly Fiorina.
Washington. "Cherchez la femme": Die Dumassche Erkenntnis, dass hinter jedem großen Unglück dieser Welt eine Frau stecken muss, scheint man derzeit bei Hewlett Packard (HP) mit allen Mitteln bestätigen zu wollen. Zwei Frauen stehen im Mittelpunkt einer der schwersten Krisen, die die amerikanische Computerfirma je durchmachte. Als skrupellose Verursacher, wie die einen meinen, oder willkommene Sündenböcke, wie andere glauben.
Da ist einmal die mittlerweile Ex-Vorsitzende des HP-Direktoriums, Patricia Dunn, die mit ihrem Ermittlungsauftrag über einen firmeninternen Geheimnisverrat Schlagzeilen machte. Gestern, Montag, erschien auch noch die Biografie der ehemaligen HP-Chefin Carly Fiorina, in der sie mit der legendären Computerfirma abrechnet und den Aufsichtsrat als eine Ansammlung von ahnungslosen Amateuren darstellt.
Vor nicht allzu langer Zeit wurden Fiorina und Dunn noch als Vorbilder einer neuen Frauengeneration gefeiert. Dunn, die mit zwölf Jahren ihren Vater verlor und später die Universität unterbrach, um ihrer Mutter zu helfen, machte eine Musterkarriere und schaffte den Aufstieg von der Sekretärin zur HP-Aufsichtsratsdirektorin.
"Sie ist eine starke Frau", urteilte Alison Davis, die als Finanzchefin unter Dunn arbeitete, als sie Vorsitzende der Investmentfirma Barclays Global Investors war. "Aber Menschen, vor allem Männer, fühlen sich schnell bedroht, wenn sie mit einer starken Frau konfrontiert sind."
Bei HP erreichte die Konfrontation ihren Höhepunkt. Aufsichtsratsmitglied Tom Perkins machte die 53-jährige Dunn allein für die Spitzelmethoden verantwortlich und trat aus Protest zurück. Dunn warf ihm im Gegenzug Intrigen vor. Anfangs erhielt sie Unterstützung von anderen Vorständen, darunter auch HP-Chef Mark Hurd. Doch als der Kongress Dunn zur Vernehmung vorlud und der Staatsanwalt in Kalifornien Anklage erhob, verlor sie allen Rückhalt.
Auslöser des tiefen Falls waren vertrauliche Informationen, die immer wieder aus internen HP-Sitzungen an die Öffentlichkeit drangen. Dunn beauftragte eine private Detektei damit, den "Maulwurf" zu ermitteln. Die arbeitete angeblich mit Duldung Dunns - mit unglaublichen Methoden: Telefone von Aufsichtsräten wurden illegal abgehört und E-Mails von Journalisten gelesen. Unter Vorspiegelung falscher Identitäten kamen die Detektive an persönliche Daten.
"Männer fühlen sich
schnell bedroht, wenn sie mit einer starken Frau konfrontiert sind."
Alison Davis, Ex-Finanzchefin von Barclays Global Investors
Zwar fand man die undichte Stelle. Doch der Imageschaden, den die Untersuchung anrichtete, stand in keinem Verhältnis. Mittlerweile sind vier Personen in der Affäre angeklagt. Neben dem beruflichen Aus gab es für Patricia Dunn auch privat schlechte Nachrichten: In einem CBS-Interview am Wochenende berichtete sie, man habe bei ihr Krebs diagnostiziert. Mit der Chemotherapie begann sie am Tag nach ihrer ersten Gerichtsanhörung.
Für ihre alte Rivalin Carly Fiorina, deren Ablöse als HP-Chefin Dunn im Jahr 2005 maßgeblich betrieben hat, sind die Ereignisse nur ein Spiegelbild der Zustände beim Computerkonzern. "Aus persönlichen Interessen hat jemand Informationen aus den Sitzungen weitergegeben; persönliche Interessen waren ausschlaggebend für die Ermittlungen und aus persönlichem Interesse hat jemand die Art der Ermittlungen enthüllt", meinte sie am Wochenende bei einem Auftritt anlässlich der bevorstehenden Veröffentlichung ihrer Biografie "Tough Choices".
In dem Buch bezeichnet Fiorina den HP-Vorstand als "nicht funktionsfähig", dessen Mitglieder teils "amateurhaft und unreif" agierten. Sechs Jahre lang lenkte sie als erste Frau die Firma und versuchte, HP im lange vernachlässigten Internet-Bereich konkurrenzfähig zu machen. Doch Anfang 2005 feuerte sie der Vorstand wegen ihres extravaganten Führungsstils und nicht erfüllter Vorgaben.
In "Tough Choices", das dank der HP-Diskussion reißenden Absatz finden dürfte, schießt sie zurück. Man habe bewusst Gerüchte in die Welt gesetzt, um sie schlecht zu machen. Etwa die, dass sie ein rosarotes Badezimmer in ihrem HP-Büro habe und permanent mit Friseur und Make-up-Expertin reise.
Der Erfolg von HP seit ihrem Abgang 2005, den ihr Nachfolger Hurd für sich in Anspruch nimmt, für den Fiorina aber den Grundstein gelegt haben will, dürfte freilich diese Wunden leicht heilen. Ihre Aktien aus der Zeit als HP-Chefin sind dank des Höhenflugs mittlerweile 31 Mio. Dollar wert.