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Griechen befürchten Bankensturm

Die Griechen zeigen deutlich, wie wenig Vertrauen sie in die Zukunft des Landes haben
(c) AP (Thanassis Stavrakis)
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Die Sorge, dass ihr Erspartes bald wertlos werde, ließ die Griechen die Rekordmenge von 900 Mio. Euro an einem einzigen Tag abheben. Die Einlagen der Haushalte hingegen sanken deutlich.

In Griechenland wächst die Angst vor einem Ansturm auf die Banken angesichts der düsteren Zukunftsaussichten. An einem einzigen Tag sollen die Griechen in dieser Woche fast eine Milliarde Euro abgehoben haben. Staatspräsident Karolos Papoulias warnte bereits vor einer bedrohlichen Entwicklung. Von einem klassischen "Bank run" mit langen Schlangen vor den Kassenschaltern der Finanzinstitute ist zwar noch nichts zu spüren, doch bringt die Entwicklung die Banken des Landes in große Schwierigkeiten.

Während der dramatischen Verhandlungen über eine neue Regierung seien am Montag knapp 900 Millionen Euro abgehoben worden, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Bankenkreisen. Papoulias hatte am Wochenende die Parteichefs darauf hingewiesen, dass die Griechen wieder hohe Summen von Geldautomaten oder übers Online-Banking abgehoben hätten. Das Transkript des Gesprächs mit den Angaben wurde jedoch erst später bekannt.

Griechen horten Geld zu Hause

Seit Ausbruch der Schuldenkrise nehmen die Griechen hohe Summen an Bargeld mit nach Hause oder überweisen Erspartes auf ausländische Konten. Sie befürchten, dass die Banken zusammenbrechen könnten oder das Geld bei einer Umwandlung in die alte Währung Drachme stark an Wert verlieren würde.

Dass signifikant Gelder privater Bankkunden auf Geldinstitute in Nachbarländer - etwa Bulgarien - transferiert würden, dafür hat die Bank Austria bei ihrer bulgarischen Tochter bisher zwar keine Anhaltspunkte. Aber "es gibt in Bulgarien bei der UniCredit Bulbank vermehrt Kundenanfragen aus Griechenland", sagte ein Sprecher der Bank Austria.

Einlagen stark rückläufig

Die Einlagen der griechischen Privathaushalte bei den Banken verringerten sich nach Angaben der staatlichen Notenbank seit Anfang 2010 von 195 Milliarden Euro auf 140 Milliarden Euro im März 2012. Dies entspricht einem durchschnittlichen Abfluss von zwei Milliarden Euro im Monat, wobei diese Zahl nur begrenzte Aussagekraft hat. Allerdings wäre ein Betrag von 900 Millionen Euro an einem Tag eine sehr hohe Summe.

Bis zum Sonntagnachmittag seien am Wochenende rund 700 Millionen Euro abgehoben worden, soll Papoulias nach Berichten griechischer Medien unter Berufung auf Notenbank-Chef Georg Provopoulos mitgeteilt haben. Er wollte damit während der Gespräche über eine Koalitionsregierung wohl auch deutlich machen, wie ernst die Lage sei. Allerdings zeigte sich der Chef des Bündnisses der Radikalen Linken (Syriza), Alexis Tsipras, wenig beeindruckt. "Ach was? Sie haben jetzt entdeckt, dass das Geld ausfließt. Es sind doch seit Ausbruch dieser Krise 73 Milliarden Euro verloren gegangen", zitierte die griechische Presse Tsirpas' Reaktion.

Banken in Finanznöten

Für die Banken sind die Abhebungen höchst problematisch. Die griechischen Geldhäuser sollen nach früheren Berichten über einen nationalen Bankenrettungsfonds mit bis zu 50 Milliarden Euro rekapitalisiert oder in Einzelfällen fusioniert und abgewickelt werden. Dabei stammen 25 Milliarden Euro aus Mitteln des Euro-Rettungsfonds EFSF, die auch bereits zur Verfügung stehen. Davon will die Regierung 18 Milliarden Euro laut einem Bericht des staatlichen Fernsehens vom Mittwoch nun auch an die Banken weiterreichen.

Zudem genehmigte die EU-Kommission am Mittwoch 680 Millionen Euro an Hilfen aus Rettungsfonds-Mitteln zur Abwicklung der griechischen T Bank. Damit soll es der Hellenischen Postbank erleichtert werden, die Tätigkeiten der T Bank zu übernehmen. Die kleine Bank war 2011 wegen zu geringen Eigenkapitals in Schwierigkeiten geraten.

(APA/Ag.)