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EU: Mobbing-Vorwürfe gegen Werthmann

Verzweifelte Frau
Symbolbild: Mobbing(c) www.BilderBox.com (Www.bilderbox.com)
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Fünf Mitarbeiterinnen der Europaabgeordneten Angelika Werthmann beschwerten sich über "tägliche Schikanen". Diese bestreitet die Vorwürfe. Die Frauen sollen an Abmagerung, Sehstörungen und Migräne leiden.

Mehrere Ex-Mitarbeiterinnen werfen der fraktionslosen Salzburger Europaabgeordneten Angelika Werthmann Mobbing vor, was diese bestreitet. Fünf Ex-Assistentinnen, die in den vergangenen Monaten bei ihr beschäftigt waren, beschwerten sich bei der Assistentenvereinigung des Europaparlaments (EP) über "tägliche Schikanen und Mobbingattacken", "exzessive Arbeitszeiten" und "mangelnden Respekt der Privatsphäre". Auf die Vorwürfe angesprochen sagte Werthmann am Mittwoch: "Natürlich ist das unrichtig."

Vier von den Frauen klagen über gesundheitliche Probleme wie starke Abmagerung, Gastritis, Schlaf- und Sehstörungen und Migräne, die sie auf die psychische Belastung in der Arbeit zurückführen. "Ich verstehe das nicht. Wir haben ein gutes Arbeitsklima gehabt", sagte Werthmann, die sich "erstaunt und überrascht" von den "rufschädigenden Vorwürfen" zeigte, welche sie unverzüglich ihrem Anwalt weitergeben werde. "Gar nichts ist da dran", betonte sie.

"Verhalten einer Arbeitgeberin unwürdig"

Frank Puskarev, Mitglied des Personalrates der Abgeordneten-Assistenten und Mitarbeiter des deutschen Europaabgeordneten Thomas Händel (Die Linke), erklärte: "Sollten die Vorwürfe gegen Frau Werthmann zutreffen, und ich habe vor dem Hintergrund der Aussagen mehrerer ehemaliger Kolleginnen keinen Anlass daran zu zweifeln, dann ist dieses Verhalten einer Abgeordneten und Arbeitgeberin unwürdig. Man kann nach den Angaben der Beschäftigten durchaus von Psychoterror und Mobbing sprechen. Pikant dabei ist, dass Frau Werthmann sich im EP als Kämpferin gegen Mobbing am Arbeitsplatz engagiert, für sie selbst scheinen diese Maßstäbe aber nicht zu gelten."

Eine für allgemeine Sekretariatstätigkeiten eingestellte Mitarbeiterin beklagte, sie habe innerhalb von acht Stunden eine nach wissenschaftlichen Kriterien zitierte Arbeit verfassen müssen, "in der ich einen detaillierten Gesetzesvergleich von fünf bis sechs Mitgliedsstaaten anstellen sollte" und auch internationales und EU-Recht behandelt werden sollte. Von einem Tag auf den anderen habe Werthmann von ihr verlangt, rund 20 Berichte für die nächste Plenartagung des EU-Parlaments mit Hintergrundrecherchen, Konfliktpunkten und Stimmempfehlung auszuarbeiten.

"Stöbern in privaten Unterlagen"

Eine andere Ex-Assistentin erklärte, Werthmann habe "ein reges, über die menschliche Neugierde hinaus reichendes Interesse am Privatleben ihrer Mitarbeiter an den Tag gelegt, vorzugsweise nicht direkt, sondern über die anderen Mitarbeiter". Werthmann sagte dazu, sie habe in regelmäßigen Meetings und in Kaffeepausen mit ihren Assistenten gesprochen, dabei wollte sie lediglich "Anteil nehmen am Leben" der Mitarbeiter. Eine Ex-Mitarbeiterin schilderte, Werthmann habe unter dem Vorwand, das Büro aufzuräumen, den Schreibtisch einer damaligen Kollegin durchsucht und in privaten Unterlagen gestöbert.

Puskarev kritisierte, das EU-Beamten-Statut und Paragrafen zum Schutz vor Belästigung, Mobbing und ungerechtfertigten Entscheidungen des Arbeitgebers würden in der Praxis kaum greifen. "Die Freiheit des Mandats wird in diesen Fällen über den Schutz der Arbeitnehmer gestellt und diesen bleibt häufig nur der äußerst beschwerliche und teure Weg zum EuGH. Dieser Zustand ist mit den Zielen und Ansprüchen der Union von sozialen Schutz und Gleichbehandlung nach meiner Ansicht nicht vereinbar", sagte Puskarev. Mit der anstehenden Änderung des Statuts könnte dieser Missstand behoben werden.

(APA/Red.)